FAQ
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Alternative InvestmentsBAI e.V.Hedge FundsPrivate EquitySonstige- Was versteht man unter dem Begriff „Alternative Investments“?
- „Alternative Investments“ oder „nicht traditionelle Anlagen“ sind Anlageformen, die sich von traditionellen Investments durch eigenständige Merkmale und Charakteristika abgrenzen. Unter „traditionellen Anlagen“ versteht man diejenigen Anlagen, die im Rahmen einer üblichen Vermögensanlage oder -verwaltung eingesetzt werden: Liquide Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, sonstige Wertpapier- und Investmentfundsanlagen.
Alternative Investments unterscheiden sich insbesondere im Hinblick auf Liquidität und Rendite. Sie besitzen oftmals eine geringere Liquidität als traditionelle Anlagen. Ihre Renditen (insbesondere im Verhältnis zu den eingegangenen Risiken) können überdurchschnittlich sein.
Diversifizierte Alternative-Investments-Produkte messen sich nicht an Vergleichsindizes: Sie verfolgen in jedem Marktumfeld das Ziel einer Absoluten positiven Renditeentwicklung. Traditionelle Anlagen hingegen verfolgen das Ziel einer relativen Renditeentwicklung zu einem Vergleichsindex.
Die Grenzen zwischen traditionellen und nicht traditionellen Anlagen verlaufen fließend. Die beiden volumenmäßig weitaus wichtigsten Kategorien alternativer Anlagen sind Hedge-Funds und Private-Equity-Produkte. Daneben zählen aber auch Immobilien und Rohstoffeinvestments zu dieser Anlageklasse.
- Welche besonderen Risiken ergeben sich aus der Anlage in Alternative Investments?
- Der erste Hedge-Fund stammt aus dem Jahr 1949. Dessen Manager, Alfred Winslow Jones, fügte den traditionellen Investments zwei neue Elemente bei:
Fremdkapitalaufnahme und Leerverkäufe. Da Leerverkäufe es ihm ermöglichten, auch von fallenden Aktienkursen zu profitieren, war er nicht mehr so stark von einer allgemein steigenden Marktentwicklung abhängig. Die Titelselektion und somit seine Fähigkeit, unter- und überbewertete Titel ausfindig zu machen, rückte in den Vordergrund.
Die Kombination von Käufen und Leerverkäufen führte zu der Unterscheidung von Netto- und Bruttoengagement. Kaufte er beispielsweise bei einem Anlagebetrag von 100 Dollar für 110 Dollar eine ihm unterbewertet erscheinende Aktie und verkaufte er gleichzeitig für 40 Dollar eine ihm überbewertet erscheinende Aktie, so lag das Nettoengagement (Investitionen abzüglich Leerverkäufe) bei 70 Dollar, das Bruttoengagement (Investitionen zuzüglich Leerverkäufe) aber bei 150 Dollar.
Die Differenz zwischen Nettoengagement und Anlagebetrag von 30 Dollar wurde als Barreserve gehalten. Das Nettoengagement variierte Jones in Abhängigkeit von seiner Markteinschätzung. Da die Aktienmärkte generell langfristig zulegten, bewegte er sich mit dieser Quote immer im positiven Bereich.
Da er die Einnahmen aus den Leerverkäufen teilweise nutzte, um mehr Aktien zu kaufen, als im Anlagekapital zur Verfügung gestellt wurden (110 Dollar bei 100 Dollar Anlagekapital), waren seine Käufe teilweise durch Fremdkapital finanziert.
Jones war auch der erste Fundsmanager, der sich erfolgsabhängig entlohnen ließ.
Er führte auch ein weiteres wichtiges Merkmal von Hedge-Funds ein: Er verpflichtete sich, einen Teil seines privaten Finanzvermögens zu identischen Bedingungen wie seine Anleger in den Funds zu investieren.
Den ersten Popularitätsschub erlebten Hedge-Funds Ende der Sechzigerjahre. Ein Artikel in der Finanzpresse untersuchte das Anlageergebnis von Funds und kam für den Zehnjahreszeitraum von 1956 bis 1965 zu dem Ergebnis, dass Jones trotz seiner erfolgsabhängigen Entlohnung in Höhe von 20 Prozent den besten traditionellen Anlagefunds deutlich geschlagen hatte. In den beiden Folgejahren wurden über 100 Hedge-Funds gegründet.
Zwei inzwischen namhafte Gründer aus dieser Zeit haben die Marktturbulenzen von 1969/70 und 1973/74 überstanden: George Soros (Quantum Fund) und Michael Steinhardt (Steinhardt Partners).
1986 war es wiederum die Finanzpresse, die das Interesse an Hedge-Funds erweckte. Julian Robertson wurde zur über 750-prozentigen Wertentwicklung seines Funds in den ersten sechs Jahren nach der Auflegung befragt. Er legte offen, dass er die oben skizzierte Strategie um die Bereiche Zinsen, Währungen und Indizes erweitert hatte. Funds, die nach der so genannten Global-Macro-Strategie verwaltet werden, sind nunmehr zur größten Gruppe innerhalb der Hedge-Funds herangewachsen.
Die Turbulenzen um den LTCM-Fund Ende 1998 konnten die Verbreitung der Hedge-Funds nur kurz stoppen. Bereits 1999 stiegen die Verbreitung und somit die Anlagevolumina wieder an.
Die Ursprünge von Private-Equity-Anlagen werden auf das Jahr 1946 datiert. Die Boomphase dieser Anlageform startete aber erst in den Achtzigerjahren. Insbesondere Venture-Capital- Anlagen erlebten zu dieser Zeit ein rasantes Wachstum. Im nachfolgenden Jahrzehnt verlagerte sich das Wachstum auf andere Private-Equity-Bereiche.
- Wie haben sich „Alternative Investments“ historisch entwickelt?
- Bei Alternative Investments handelt es sich grundsätzlich um eine Vermögensanlage, die - wie viele Vermögensanlagen - mit Risiken verbunden ist.
Generell eignen sich Aussagen über in der Vergangenheit erzielte Renditen nicht für die Prognose der künftigen Wertentwicklung von Vermögensanlagen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die historischen Renditen unter hohen Schwankungen erzielt wurden. Dies ist bei Alternative Investments, insbesondere bei wenig diversifizierten Anlageformen, der Fall.
Bei der indirekten Anlage tritt neben das Risiko des Wertverfalls des Beteiligungsvermögens das Risiko, dass einer der eingeschalteten Intermediäre (Dachfondsgesellschaft, Emittent eines Zertifikates oder einer Anleihe mit an die Wertentwicklung eines Beteiligungsvermögens gekoppeltem Rückzahlungsanspruch, Garantiegeber bei garantierten Strukturen etc.) seine vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Hieraus können sich negative Folgen für den Wert des gewählten Anlageinstrumentes ergeben, die bis zur Wertlosigkeit reichen können. Daher kann es selbst bei günstiger Wertentwicklung des Beteiligungsportfolios vorkommen, dass das indirekte Anlageinstrument seinen Wert ganz oder teilweise verliert.
Werden die vom Anleger erworbenen Beteiligungsinstrumente nicht börsengehandelt, ist eine kurzfristige Veräußerung mit Schwierigkeiten verbunden. Die Anlage in Alternative Investments ist als langfristige Anlage zu sehen. Besonders bei Private Equity kann eine positive Wertentwicklung typischerweise frühestens nach zwei bis drei Jahren erwartet werden. Auch eine Börsennotiz ist keine Garantie für die schnelle Veräußerbarkeit der Anteile. Zudem kann der Börsenkurs, der sich ausschließlich nach Angebot und Nachfrage und nicht nach dem tatsächlichen Wert des Beteiligungsvermögens richtet, deutlich vom letztgenannten abweichen. Die Rückgabemöglichkeit der Anteile an den Emittenten ist in der Regel mit bis zu einjährigen Kündigungsfristen versehen und kann zudem betragsmäßig begrenzt sein.
Die Investition in nicht börsengehandelte Instrumente kann dazu führen, dass der Preis, mit dem sie intern bewertet werden, sich nicht realisieren lässt. Somit kann der am Markt tatsächlich erzielbare Wert des Beteiligungsvermögens unterhalb des nach Bewertung der Anlagen ausgewiesenen Wertes liegen. Die Portfolio-Gesellschaft (zum Beispiel Dachfundsgesellschaft) wird oft auch nur indirekte Anlagen in die Vermögensklasse Private Equity tätigen, indem sie sich an anderen Gesellschaften (Funds) beteiligt, die selbst jeweils direkt oder indirekt in die Vermögensklasse Private Equity investieren. Oft werden diese Gesellschaften von der Portfolio-Gesellschaft nicht kontrolliert und unterliegen keinerlei staatlicher Aufsicht. Die Portfolio- Gesellschaft hat möglicherweise keinen Einfluss auf die von diesen Gesellschaften verfolgten Anlagestrategien. Es wird der Portfolio-Gesellschaft in der Regel nicht möglich sein, jede Anlageentscheidung dieser Gesellschaften nachzuvollziehen und sie auf ihre Vereinbarkeit mit einer bestimmten Anlagestrategie oder im Hinblick auf die mit ihr verbundenen Risiken zu überprüfen. Es können Situationen auftreten, in denen zwischen den einzelnen eingeschalteten Gesellschaften oder innerhalb einer eingeschalteten Gesellschaft Interessenskonflikte entstehen. Diese können zum Nachteil des Wertes des Beteiligungsvermögens entschieden werden.
Sind die Anlagegrundsätze relativ unbestimmt formuliert, liegt dies zwar im Interesse einer rendite-optimalen und zukunftsoffenen Vermögensanlage. Es erschwert aber auch die Überprüfbarkeit und Transparenz der getroffenen Anlageentscheidungen. Veränderungen in der Besteuerung einer oder mehrerer als Intermediäre eingeschalteter Gesellschaften oder in der Besteuerung der getätigten Anlagen können sich negativ auf die Wertentwicklung der Anlage auswirken. Auch die Besteuerung der Anlage beim Privatanleger selbst kann im Zeitablauf Änderungen unterworfen sein. Diese können negative Folgen auf sein Anlageergebnis haben. Daten zu Entwicklungen von Hedgefonds und Private Equity finden Sie in unserem Infocenter unter der Rubrik Statistik.
- Welche Aufgaben nimmt der BAI wahr?
- Der Verband hat es sich zur satzungsmäßigen Aufgabe gemacht, die Belange der im professionellen Alternative Investment Geschäft tätigen Personen und Unternehmen umfassend zu fördern, insbesondere den Bekanntheitsgrad von alternativen Anlagestrategien als Anlageform sowie deren Verständnis in der Öffentlichkeit zu steigern. Es soll ein konstruktiver Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern geführt werden, mit dem Ziel, gesetzliche Reformen sowie eine Rechtsfortbildung im Interesse der Mitglieder des Verbandes zu erreichen. In diesem Sinne hält der Verband engen Kontakt zu wichtigen Institutionen im Finanzsektor wie etwa der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und dem Bundesministerium der Finanzen(BMF). Darüber hinaus soll ein Forum für Kontakte, Diskussionen und den Meinungsaustausch zugunsten der Mitglieder geschaffen werden. Der Verband ist bemüht, unseriösen Marktpraktiken entgegenzuwirken.
Neben der originären Verbandsarbeit werden die Mitglieder durch Veröffentlichungen und Rundschreiben sowie durch die Homepage des Verbandes über aktuelle Entwicklungen im Bereich Alternative Investments informiert. Zu diesem Zweck wird des Weiteren der "BAI-Newsletter" herausgegeben, der quartalsweise an Mitglieder und Entscheidungsträger beim BMF, BaFin, der Verbände sowie an Investoren, Produktanbieter und namhafte Chefredaktionen der in- und ausländischen Fach- und Tagespresse versendet wird. Die Durchführung von Seminaren und Vortragsreihen zur Wissensvertiefung der Mitglieder und sonstiger interessierter Dritter ist ebenfalls Aufgabe des BAI.
- Welche Vorteile ergeben sich aus einer Mitgliedschaft im BAI?
- Die Mitgliedschaft im BAI ist mit zahlreichen Vorteilen verbunden, wie z.B.:
- Teilnahmemöglichkeit an Arbeitsgruppen und Projekten zur Förderung und Etablierung der Alternative Investments Industrie in Deutschland
- Diverse Networking Möglichkeiten innerhalb der Alternative Investments Industrie
- Publikationsmöglichkeiten im BAI-Newsletter (Fachartikel, Vorstellung der Mitgliedsunternehmen, Veröffentlichung von Mitglieder-News)
- Kostenlose und vergünstigte Veranstaltungen wie Seminare, Roundtables, Foren etc. zu allen Themenbereichen der "Alternative Investments"
- Rabatte für Mitglieder für Veranstaltungen und Seminare externer Veranstalter
- Zugriff auf die geschützten Bereiche der BAI-Homepage mit diversen Seminarpapieren, Presseartikeln, Studien und sonstigen interessanten Publikationen und Informationen
- Briefings über wichtige Rundschreiben von Ämtern wie: Bundesbank, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Bundesministerium für Finanzen etc.
- Listing der Mitgliedsunternehmen auf der Homepage des BAI mit Kontaktinformationen und Link auf die Homepage des Mitglieds
- Wer kann Mitglied werden?
- Als ordentliche Mitglieder können natürliche oder juristische Personen mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland oder einem anderen europäischen Staat sowie Antragsteller, die zumindest eine Niederlassung/Repräsentanz in Deutschland unterhalten, aufgenommen werden, wenn ihre Geschäftstätigkeit in nicht unerheblichem Maße den Bereich Alternative Investments umfasst.
Die folgenden natürlichen oder juristischen Personen können unter Beachtung von § 6 Ziffer (1) Satz 1 der Vereinssatzung eine außerordentliche Mitgliedschaft beantragen:
Die Entscheidung über die Aufnahme einer Person als außerordentliches Mitglied liegt im Ermessen des Vorstands.alle Personen, deren Geschäftstätigkeit darin besteht, Personen, die ordentliche Mitglieder sind oder Mitglieder werden könnten, in juristischer, steuerlicher und sonstiger Hinsicht zu beraten; alle Börsen; Verleger, Herausgeber oder Chefredakteure von Zeitungen, Journalen oder Zeitschriften, die regelmäßig einen Teil ihrer Ausgaben dem Bereich „Alternative Investments“ oder anderen Angelegenheiten widmen, die im Zusammenhang mit den Zielen des Vereins stehen; sonstige, an den Zielsetzungen des Vereins interessierte Personen.
- Was kostet eine Mitgliedschaft im BAI?
- Der Mitgliedsbeitrag beträgt derzeit unabhängig von den Assets under Management (AuM) 2.500,-- Euro p.a. Dieser Betrag gilt sowohl für die ordentlichen sowie auch die außerordentlichen Mitglieder.
- Wo finde ich den Mitgliedsantrag und die Satzung des Verbandes?
- Mitgliedsantrag und Satzung des Verbandes finden Sie unter dem Menüpunkt „Mitgliedschaft“. Ebenso können diese Unterlagen bei der Geschäftsstelle unter info@bvai.de angefordert werden.
- Was versteht man unter dem Begriff „Hedge Funds“?
- Der Begriff Hedge-Funds ist nicht selbsterklärend, sondern eher irreleitend. Normalerweise versteht man unter einem „Hedge“ die Absicherung von Finanzanlagen gegen Preisänderungen. So können Portfolios durch bestimmte Finanztransaktionen und derivative Instrumente gegen die Auswirkung von Zins-, Kurs oder auch Wechselkursänderungen abgesichert werden. Solche Absicherungsgeschäfte können von Hedge-Funds zwar im Rahmen ihrer gesamten Anlagestrategie eingesetzt werden, stellen aber nicht deren Hauptinvestments dar.
Hedge-Funds verfolgen andere Anlageziele: Sie streben eine positive und risikoeffiziente Wertentwicklung an, die möglichst unabhängig vom Marktumfeld erreicht werden soll. Hier unterscheiden sie sich deutlich von klassischen Anlagefunds wie beispielsweise Aktienfunds. Ein Aktienfundsmanager strebt eine relative Wertentwicklung im Vergleich zum Marktumfeld an. So ist er durchaus erfolgreich, wenn er bei einem Marktrückgang von 20 Prozent eine Wertentwicklung von –15 Prozent erzielt.
Hedge-Funds verfolgen ihr Anlageziel durch den Einsatz verschiedener Anlagestrategien unter Verwendung verschiedenster Anlageinstrumente. Dabei können auch Leerverkäufe getätigt werden sowie Fremdkapital eingesetzt werden, was zu höheren Gewinn- und Verlustmöglichkeiten führen kann (Hebelwirkung). In der Regel erhält der Hedge-Fund-Manager eine gewinnabhängige Entlohnung und hat damit ein stärkeres Interesse am Anlageerfolg. Darüber hinaus ist der Hedge-Fund-Manager meist mit eigenem Kapital zu identischen Konditionen wie die Anleger am Fundsvolumen beteiligt.
Der Begriff „Hedge-Fund“ kam dadurch zustande, dass die ersten Hedge-Funds-Strategien nicht auf absolute, sondern auf relative Kursveränderungen verschiedener Aktien zueinander spekulierten. Während der traditionelle Anleger Aktien auswählte, um von der allgemeinen (absoluten) Marktentwicklung zu profitieren, kombinierten die ersten Hedge-Funds Käufe und Leerverkäufe, um von der relativen Kursentwicklung der Aktien zueinander zu profitieren. Gegen die allgemeine Marktentwicklung waren sie abgesichert (englisch: hedged). Für sie war es lediglich wichtig, dass sich die Kursdifferenz zwischen den gewählten Werten je nach Strategie einengte beziehungsweise ausweitete. Das allgemeine Marktniveau war hierfür ohne Belang.
Hedge-Funds unterliegen sehr geringen Beschränkungen bezüglich der einsetzbaren Anlageinstrumente und deren Anteil am Gesamtportfolio. Daher kann ein Hedge-Fund- Manager hohe Risiken eingehen.
Die gewinnabhängige Vergütung, das persönliche finanzielle Engagement des Hedge-Fund-Managers und seine Reputation wirken hier als Regulativ. Als Folge hieraus ergibt sich, dass der Manager seine Ziele mit denen seiner Kunden in Einklang bringt.
- Wie haben sich Hedge Funds historisch entwickelt?
- Der erste Hedge-Fund stammt aus dem Jahr 1949. Dessen Manager, Alfred Winslow Jones, fügte den traditionellen Investments zwei neue Elemente bei:
Fremdkapitalaufnahme und Leerverkäufe. Da Leerverkäufe es ihm ermöglichten, auch von fallenden Aktienkursen zu profitieren, war er nicht mehr so stark von einer allgemein steigenden Marktentwicklung abhängig. Die Titelselektion und somit seine Fähigkeit, unter- und überbewertete Titel ausfindig zu machen, rückte in den Vordergrund.
Die Kombination von Käufen und Leerverkäufen führte zu der Unterscheidung von Netto- und Bruttoengagement. Kaufte er beispielsweise bei einem Anlagebetrag von 100 Dollar für 110 Dollar eine ihm unterbewertet erscheinende Aktie und verkaufte er gleichzeitig für 40 Dollar eine ihm überbewertet erscheinende Aktie, so lag das Nettoengagement (Investitionen abzüglich Leerverkäufe) bei 70 Dollar, das Bruttoengagement (Investitionen zuzüglich Leerverkäufe) aber bei 150 Dollar.
Die Differenz zwischen Nettoengagement und Anlagebetrag von 30 Dollar wurde als Barreserve gehalten. Das Nettoengagement variierte Jones in Abhängigkeit von seiner Markteinschätzung. Da die Aktienmärkte generell langfristig zulegten, bewegte er sich mit dieser Quote immer im positiven Bereich.
Da er die Einnahmen aus den Leerverkäufen teilweise nutzte, um mehr Aktien zu kaufen, als im Anlagekapital zur Verfügung gestellt wurden (110 Dollar bei 100 Dollar Anlagekapital), waren seine Käufe teilweise durch Fremdkapital finanziert.
Jones war auch der erste Fundsmanager, der sich erfolgsabhängig entlohnen ließ.
Er führte auch ein weiteres wichtiges Merkmal von Hedge-Funds ein: Er verpflichtete sich, einen Teil seines privaten Finanzvermögens zu identischen Bedingungen wie seine Anleger in den Funds zu investieren.
Den ersten Popularitätsschub erlebten Hedge-Funds Ende der Sechzigerjahre. Ein Artikel in der Finanzpresse untersuchte das Anlageergebnis von Funds und kam für den Zehnjahreszeitraum von 1956 bis 1965 zu dem Ergebnis, dass Jones trotz seiner erfolgsabhängigen Entlohnung in Höhe von 20 Prozent den besten traditionellen Anlagefunds deutlich geschlagen hatte. In den beiden Folgejahren wurden über 100 Hedge-Funds gegründet.
Zwei inzwischen namhafte Gründer aus dieser Zeit haben die Marktturbulenzen von 1969/70 und 1973/74 überstanden: George Soros (Quantum Fund) und Michael Steinhardt (Steinhardt Partners).
1986 war es wiederum die Finanzpresse, die das Interesse an Hedge-Funds erweckte. Julian Robertson wurde zur über 750-prozentigen Wertentwicklung seines Funds in den ersten sechs Jahren nach der Auflegung befragt. Er legte offen, dass er die oben skizzierte Strategie um die Bereiche Zinsen, Währungen und Indizes erweitert hatte. Funds, die nach der so genannten Global-Macro-Strategie verwaltet werden, sind nunmehr zur größten Gruppe innerhalb der Hedge-Funds herangewachsen.
Die Turbulenzen um den LTCM-Fund Ende 1998 konnten die Verbreitung der Hedge-Funds nur kurz stoppen. Bereits 1999 stiegen die Verbreitung und somit die Anlagevolumina wieder an.
- Wie verhält es sich mit der Reputation von Hedge Funds?
- Hedge-Funds, deren Manager und Transaktionen sind von der Presse gern behandelte Themen. Allerdings wird meist nur über Ausnahmesituationen berichtet. Derartige Publikationen werfen häufig ein falsches Licht auf das gesamte Universum der Hedge-Funds. Insbesondere Fehlspekulationen und außergewöhnliche Wertentwicklungen bieten die Grundlage für viele Artikel der Finanz- und Wirtschaftspresse. Hierbei kommt es oftmals zu Verzerrungen. So titelte eine Finanzzeitung, ein Hedge-Fund habe an einem Tag 15 Prozent verloren, um sich am Folgetag zu berichtigen, da es sich bei dem Abschlag um eine an die Anleger ausgeschüttete Dividende handelte. Bei unerklärlichen Kursbewegungen an den Finanzmärkten werden oftmals Hedge-Funds als Auslöser vermutet und angeprangert. Kritiker bezeichnen Hedge-Funds als rücksichtslose profitgierige Spekulanten, Bezwinger von Notenbanken und Gefahrenherd für das ökonomische Gleichgewicht, während Befürworter sie als nützliche Investments zur Portfoliodiversifikation und als Verbesserer der Effizienz der Kapitalmärkte und somit letztlich der Weltwirtschaft sehen. Das Verhalten der Hedge-Fund-Manager selbst trägt zu diesem ambivalenten Bild entscheidend bei. Nur wenige veröffentlichen ihre Ideen und Handelsstrategien, und wenn, dann auf sehr theoretischem Niveau, um keine Trittbrettfahrer anzuziehen. Sie pflegen ihren Mythos, und die prominentesten unter ihnen haben mittlerweile längst einen Gurustatus erreicht. Ihre Analysen und Bemerkungen können die Märkte bewegen. Die Turbulenzen der Finanzmärkte und die darauf basierenden Schwierigkeiten einiger Hedge-Funds im Herbst 1998 haben die Hedge-Fund-Industrie stark in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Der Fast-Zusammenbruch des unter anderem von Wirtschaftsnobelpreisträgern mitbetreuten LTCM-Funds hallte durch die Medienlandschaft und erwies seinen vielen kleineren Hedge-Fund-Kollegen keinen guten Dienst. Auslöser für die großen Schwierigkeiten des Funds waren Turbulenzen an den so genannten Emerging Markets. Die Einstellung der Tilgungs- und Zinszahlungen Russlands führte zu einer generellen Flucht aus risikobehafteten in sicherere Anlagen. Dies bewirkte, dass die Zinsdifferenz zwischen Staatsanleihen der großen und etablierten Industrienationen und sich entwickelnder Nationen sprunghaft anstieg. Dabei kam es außerdem zu Engpässen in der Liquidität an den Märkten. Ein Verkauf der Staatsanleihen der Emerging-Market-Staaten war nur noch mit deutlichen Preisabschlägen möglich. Da der LTCM-Fund eine Fixed Income Arbitrage-Strategie verfolgte, die unter anderem auch in russische Staatsanleihen investierte, wurde das Eigenkapital des Hedge-Funds signifikant reduziert. Aufgrund der gestiegenen Risiken mussten zudem die kreditgebenden Banken ihre Sicherungsforderungen erhöhen. Hätten in dieser Situation die US-Notenbank und viele Großbanken den LTCM-Fund nicht mit Liquidität unterstützt und somit Schlimmeres verhindert, wäre der Fund gezwungen gewesen, seine Positionen aufzulösen. Dies hätte zu weiteren Verlusten beziehungsweise zu dramatischen Markt- und Preisverwerfungen geführt. Die Banken wurden so quasi Eigentümer des LTCM-Hedge-Funds. Gegen Jahresende 1998 bewegten sich die Zinsdifferenzen wieder auf einem normalen Niveau. Ein Arbitrageur, der ausschließlich mit Eigenkapital gehandelt hätte, wäre im Herbst nicht gezwungen gewesen, seine Positionen aufzulösen und hätte diese hektische Marktphase verlustfrei überstanden. Der Herbst 1998 hat bei allen Kapitalmarktakteuren Spuren hinterlassen. Zuerst gab es in den Reihen privater Anleger eine große Verunsicherung, die auch zahlreiche Rückgaben von Hedge-Funds-Anteilen zur Folge hatte. Diese Reaktion war auf institutioneller Seite nicht zu beobachten. Die Hauptlehre für die betroffenen Anleger hieß Diversifikation: Da Hedge-Funds höhere Risiken eingehen können, ist eine breite Streuung eminent wichtig. Der Anleger soll zum einen in verschiedene Stilrichtungen und Märkte und zum anderen auch geographisch gestreut investieren sowie auch innerhalb der Stilrichtungen auf verschiedener Manager setzen. Die zweite Konsequenz aus den Ereignissen rund um den LTCM-Fund ist eine deutlich gestiegene Tendenz zur Offenlegung der Geschäftsaktivitäten. Natürlich kann diese nicht so weitgehend sein wie bei einem klassischen Anlagefunds. Die Kenntnis des Marktes über laufende Arbitrage-Transaktionen würde die Gewinnerzielung erschweren oder gänzlich verhindern. Dennoch zeigen regelmäßige Veröffentlichungen von historischen Portfolioaufstellungen und -transaktionen, dass die Transparenz deutlich zugenommen hat. Letztlich hat der Markt den Fundsmanagern das außerordentliche Risiko von extrem hohem Fremdkapitaleinsatz in Kombination mit der Anlage in wenig liquide Wertpapiere vor Augen geführt. Diese Erfahrung hat zu einem neuen Bewusstsein geführt. Entweder wird bei Investitionen in wenig liquide Anlagen mit weniger Fremdkapital gearbeitet als zuvor oder bei unverändert hohem Fremdkapitalanteil verstärkt auf die kurzfristige Veräußerbarkeit der Anlageobjekte geachtet. Trotz der Turbulenzen konnte im Gesamtjahr 1998 der Hedge- Fund Weighted Composite Index um 2,6 Prozent zulegen. Vor dem Hintergrund, dass der Hedge-Fund-Subindex für osteuropäische aufstrebende Märkte im gleichen Zeitraum fast 64 Prozent einbüßte, wird die elementare Bedeutung von Diversifikation bei der Hedge-Funds-Anlage besonders deutlich.
- Welche Hedge Funds-Strategien gibt es?
- Bei der Klassifizierung von Hedge-Funds gibt es keinen international anerkannten Standard. Die Einteilung reicht je nach Hedge-Funds-Emittenten, Forschungseinrichtung, nationaler oder internationaler Vereinigung und Indexdatenanbieter von unter zehn bis über dreißig Kategorien. Globale Benchmarks wie bei den traditionellen Indizes existieren bei den alternativen Anlagen nicht. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind die unterschiedlichsten Hedge-Fund-Strategien in fünf Hauptkategorien zusammengefasst. Zusätzlich exisitiert ein Anlageprodukt, das häufig im Zusammenhang mit Hedge-Funds erwähnt wird, obwohl es ein eigenes Produktfeld darstellt: Managed Futures.
Bei den weiteren FAQs finden Sie Informationen zu den unterschiedlichen Strategien.
Die Hauptkategorien sind:Global-Macro-Strategien Long-Short-Strategien Marktneutrale Strategien Event-Driven-Strategien oder Ereignis-Strategien sowie Multi-Manager-Strategien
- Was versteht man unter Global-Macro Strategien?
- Typische Global-Macro-Strategien basieren auf einer Makroökonomischen Analyse der wichtigen Entwicklungen in Politik und Wirtschaft. Bei den reinen Macro-Strategien versucht der Manager, große Trendbrüche bei Aktien-, Zins- und Währungsentwicklungen oder weltwirtschaftliche Trends, die von der Gesamtheit der Marktteilnehmer entweder ihrem Ausmaß oder in ihrer Geschwindigkeit falsch eingeschätzt werden, zu erkennen und Gewinn bringend zu nutzen.
Wichtig hierfür ist die Möglichkeit, diese Erkenntnisse schnell und unkompliziert umsetzen zu können und über ausreichende Mittel zu verfügen. Diese ausreichenden Mittel sind nötig, um eventuelle Interventionen anderer Marktteilnehmer zum Scheitern bringen zu können, die versuchen, die Entwicklungen zu bremsen. Dies gilt beispielsweise, wenn ein Global-Macro-Manager Ungleichgewichte am Devisenmarkt erkennt, die von den Notenbanken durch Interventionen unterstützt werden. Sein Investment hat nur dann Erfolg, wenn er so viele Mittel einsetzen kann, dass sich die Interveneure von ihrer Stützungspolitik verabschieden und die Devisenkurse freigeben. Daher kommen als „Kontrahenten“ zu den Notenbanken nur eine Minderheit der Hedge-Funds infrage. Verfügt der Hedge-Fund nicht über ausreichende Mittel, führen die Interventionen der Notenbanken dazu, dass sich die ökonomisch zu erwartende Verschiebung der Wechselkurse nicht einstellt. Der Hedge-Fund muss dann sein Investment ohne Gewinn abbrechen. Das durchschnittliche Volumen der Global-Macro-Funds liegt über dem Dreifachen des durchschnittlichen Volumens der anderen Fundsstrategien.
Die Global-Macro-Strategie ist neben der Long-Short- Strategie die älteste Strategie und die mit der höchsten Publizität. Wegen der vielfältigen strategischen Möglichkeiten bildet sie eine sehr wichtige Kategorie im Universum der Hedge- Funds. Sie weist hohe Renditen, aber auch hohe Schwankungsbreiten in den Erträgen auf.
- Was versteht man unter Long-Short-Strategien?
- Der Begriff Long-Short-Strategie beschreibt, dass der Fundsmanager sowohl klassische Anlagegeschäfte (Kauf von Finanzinstrumenten = Long-Geschäfte) als auch Leerverkäufe (= Short-Geschäfte) tätigt.
Long-Short-Manager sind die traditionellen Hedge-Fund-Manager im Sinne der in der Einleitung beschriebenen Strategie. Neben klassischen Anlagen treten hier Leerverkäufe sowie der Einsatz von Fremdkapital. Der Einsatz von Fremdkapital erlaubt es, die Wertentwicklung im Verhältnis zum eingesetzten Kapital zu steigern. Dies wird allerdings nur erreicht, wenn die Erträge aus dem getätigten Investment positiv sind und die Kosten (= Zinsen) der Fremdkapitalfinanzierung übersteigen. Durch Leerverkäufe (Verkauf von zu teuer erachteten Finanzinstrumenten, die man nicht im Besitz hat, mit dem Ziel, diese später billiger zurückzukaufen) ergibt sich die Möglichkeit, auch von fallenden Marktpreisen zu profitieren. Wenn Derivate für die zu verkaufenden Titel existieren, kann der Leerverkauf auch durch eine Short-Position am Terminmarkt ersetzt werden. Hervorragende Renditen in der Vergangenheit haben das Anlegerinteresse auf diese Stilrichtung gelenkt. Es gilt jedoch, die Renditen zum Fremdkapitaleinsatz und somit zum eingegangenen Risiko ins Verhältnis zu setzen. So war es durch den starken Anstieg der Aktienmärkte in den Neunzigerjahren vergleichsweise einfach, mit fremdfinanzierten Aktienkäufen sehr hohe Renditen zu erzielen. Long-Short-Funds investieren in der Regel in ein diversifiziertes Portfolio auf der Long- (= Investitions-) und der Short- (= Leerverkaufs-)Seite. Durch den gleichzeitigen Kauf und Verkauf von Wertpapieren wird die Bedeutung der Titelselektion gesteigert. Häufig werden so genannte „pairs trades“ durchgeführt: Eine unterbewertet erscheinende Aktie wird gekauft und eine überbewertet erscheinende Aktie des gleichen Sektors im gleichen Umfang leerverkauft. Dadurch entsteht ein neutrales Portfolio, das von der allgemeinen Marktentwicklung unabhängig ist; lediglich die relative Kursentwicklung der beiden gewählten Aktien zueinander ist für die Wertentwicklung von Bedeutung. Entwickeln sich beide Aktien im gleichen Maße nach unten oder oben, liegt die Gesamtperformance bei null.
Neben den herkömmlichen Managern, die in breit diversifizierte Portfolios investieren, erscheinen inzwischen vermehrt Manager mit länder- oder sektorbezogenem Spezialwissen am Markt, deren Funds dann ausschließlich in den jeweiligen Segmenten investieren.
Eine weitere Sonderform stellen die reinen Short-only-Manager dar. Deren Portfolios setzen sich ausschließlich aus leerverkauften Titeln zusammen. Sie bilden den Gegenpart zum klassischen Aktieninvestor. Auch sie sind rein direktional ausgerichtet – jedoch auf fallende Märkte. Die kräftige Aufwärtsbewegung der Aktienmärkte in den Neunzigerjahren hat diesen Funds enorme Verluste beschert. Während sich 1990 das Volumen der reinen Short-Funds noch auf etwa 3,5 Milliarden US-Dollar belief, haben Mittelabflüsse und die Kursbewegungen das Investitionsvolumen bis zum Ende der Neunzigerjahre in diesem Segment auf wenige hundert Millionen US-Dollar reduziert. Die Anleger in Short-Funds stehen oft vor einem psychologischen Problem: Sie erleiden dann deutliche Verluste, wenn sich die Masse der Anleger über Gewinne aufgrund steigender Aktienkurse freut. Verluste lassen sich aber eher dann verwinden, wenn sie durch fallende Aktienmärkte hervorgerufen werden und die Mehrzahl der Investoren betreffen. Problematisch ist die Informationsbeschaffung für die Short- Manager. Das Management von Aktiengesellschaften empfängt lieber Manager von klassischen Investmentfunds, die im Anschluss an die Gespräche zu potenziellen Käufern ihrer Aktie werden, als Fundsmanager, die am Ende der Unterhaltung zu dem Ergebnis kommen können, die Aktien der Gesellschaft zu verkaufen und somit den Kurs zu belasten.
- Was versteht man unter marktneutralen Strategien?
- Bei der Beurteilung der marktneutralen Strategien wird oft der Fehler begangen, den Begriff „marktneutral“ mit „risikolos“ gleichzusetzen.
Die ursprüngliche Strategie bestand darin, Finanzprodukte an unterschiedlichen Orten gleichzeitig zu kaufen und zu verkaufen (Arbitrage). Noch in den Achtzigerjahren ließen sich zwischen den deutschen Börsenplätzen mit derartigen Transaktionen Gewinne erwirtschaften. Heute sind aufgrund der technischen Entwicklung derartige Preisunterschiede kaum noch möglich. Nunmehr versteht man unter Arbitrage eher den gleichzeitigen Kauf und Verkauf von ähnlichen Wertpapieren, die ungewöhnliche Preisdifferenzen zueinander aufweisen.
Das Marktrisiko, dass sich beispielsweise Aktienindizes oder Zinssätze verändern, sollte bei einer klassischen Arbitrage- Operation vollkommen ausgeschlossen sein. Durch die wachsende Anzahl der global verfügbaren Finanzinstrumente, die Verfügbarkeit von Preisinformationen in Echtzeit sowie die Entwicklung immer neuer Fremdfinanzierungsinstrumente steigen auch die Möglichkeiten, Arbitragegeschäfte zu betreiben. Die wichtigsten Strategien sind die Anleihen-, die Wandelanleihen und die Statistische Arbitrage. Andererseits ist die Anzahl der Arbitrageure so stark gewachsen, dass eine Reihe großer Arbitrage-Funds keine neuen Gelder mehr annimmt. Marktneutrale Strategien haben die größten Beschränkungen hinsichtlich der Kapazität. Marktneutrale Strategien zeichnen sich fast allesamt durch eine hohe Komplexität der betroffenen Wertpapiere sowie den Einsatz von Fremdkapital und derivativer Finanzinstrumente aus. Arbitrage-Strategien setzen immer auf die Verringerung beziehungsweise den Abbau von Preis- oder Renditeunterschieden von zwei Finanzinstrumenten (Konvergenz). Da sich dieser Konvergenzprozess über längere Zeiträume hinziehen kann, sind Fristen, in denen der Anleger nicht über sein Kapital verfügen kann (Lock-up-Periode), von bis zu mehreren Jahren denkbar.
Die vermeintlichen Bewertungsunterschiede sind häufig nur sehr geringfügig und können daher nur mit einem hohen Fremdkapitaleinsatz zu einem für Anleger attraktiven Gewinnpotenzial angehoben (leveraged oder gehebelt) werden.
Dieser hohe Fremdkapitaleinsatz muss aber nicht unbedingt riskant sein: Erscheint einem Manager beispielsweise der Renditeunterschied zwischen 3- und 3,5-jährigen Bundesanleihen außergewöhnlich hoch, ist bei dieser Strategie auch unter hohem Fremdkapitaleinsatz ein großer Verlust unwahrscheinlich. Wichtig ist es, sich bei einem hohen Fremdkapitaleinsatz ausschließlich in hoch liquiden Produkten zu bewegen. Andernfalls können die Marktpreise der Instrumente aufgrund fehlender Liquidität in Krisenzeiten sehr stark ausschlagen und den Manager zu einem vorzeitigen und verlustreichen Auflösen der Arbitrage-Positionen zwingen. Dieser Zwang besteht insbesondere bei einem hohen Fremdkapitaleinsatz, wenn sich die vermeintliche Falschbewertung weiter ausdehnt und die dadurch entstehenden Verluste das Eigenkapital schnell aufzuzehren drohen.
- Was versteht man unter Anleihen-Arbitrage (Fixed Income Arbitrage)?
- Das Grundprinzip der Fixed Income Arbitrage (FIA) ist das Ausnutzen von Preisungleichgewichten zwischen verschiedenen Zinswertpapieren beziehungsweise Zinsinstrumenten. Es handelt sich dabei um hoch komplexe Strategien. Die Bewertung festverzinslicher Wertpapiere und insbesondere von Zinsderivaten ist ein analytisch sehr anspruchvolles Terrain. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Emissionsbedingungen einer Anleihe besondere Kündigungs- oder Zinsanpassungsklauseln vorsehen. Die Komplexität derartiger Klauseln wird von einigen Anlegern nicht korrekt bewertet und führt somit ebenfalls zu Arbitrage-Möglichkeiten. Als besonders komplex gelten die in den USA gängigen Anleihen, die auf Hypothekenfinanzierungen basieren (Mortgage Backed Securities).
Typische FIA-Strategien zielen auf _ Veränderungen der Zinsunterschiede zwischen verschiedenen Laufzeiten desselben Emittenten _ Veränderungen der Zinsen zwischen Staatsanleihen und Anleihen privater Emittenten höchster Bonität _ Veränderungen der Zinsen zwischen Anleihen unterschiedlicher Bonitätsklassen _ Veränderungen der Zinsen zwischen Anleihen eines Schuldners mit unterschiedlichen Garantiegebern _ die Zerlegung einer komplexen Anleihe in ihre Bestandteile und den Handel der einzelnen Bestandteile zu einem anderen Gesamtwert als den Kurs der Anleihe.
- Was versteht man unter Wandelanleihen-Arbitrage (Convertible Bond Arbitrage)?
- Wandelanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die dem Anleger das Recht einräumen, als Kapitalrückzahlung eine fest definierte Anzahl Aktien eines Unternehmens zu fordern. Im Gegenzug akzeptiert der Anleger für dieses Recht einen unter dem allgemeinen Marktzins liegenden Kupon. Das Preisverhalten einer Wandelanleihe ist davon abhängig, ab welchem Preis sich der Tausch der Anleihe in Aktien für den Anleger lohnt.
Dieses Preisverhalten von Wandelanleihen führt dazu, dass bei aktuellen Aktienkursen, die in der Nähe des Wandlungspreises liegen, ein asymmetrisches Profil auftritt: Die Wandelanleihe reagiert weniger stark auf Preisrückgänge der Aktie, als sie auf Preisanstiege reagiert. Diese Besonderheit von Wandelanleihen erlaubt es, unabhängig von der Aktienkursentwicklung, positive Erträge zu erwirtschaften. Kombiniert der Manager den Kauf einer Wandelanleihe mit dem Leerverkauf einer bestimmten Aktienanzahl, erzielt er unabhängig von der Aktienkursentwicklung einen Gewinn. Dies gelingt jedoch nur dann, wenn das Zinsniveau nicht stark schwankt oder die Zinsentwicklung separat abgesichert wurde.
Da es sich bei Wandelanleihen meist um Emissionen von Industrieunternehmen handelt, ist es jedoch nahezu unmöglich, die Zinsentwicklung abzusichern. Diese hängt bei einer Industrieanleihe nämlich nicht nur vom allgemeinen Zinsniveau (dessen Veränderungen absicherbar sind), sondern auch von der Bonitätsentwicklung des jeweiligen Emittenten ab. Eine weitere Schwierigkeit kann in der mangelnden Verfügbarkeit der Aktie für Leerverkäufe liegen.
- Was versteht man unter statistischer Arbitrage?
- Statistische Arbitrage hat zum Ziel, kurzfristig auftretende Kursverzerrung beim Aktienhandel auszunutzen. Statistische Arbitrage erfolgt zumeist innerhalb weniger Stunden bis zu einer Woche. Die hohe Umschlaghäufigkeit führt dazu, dass beträchtliche Teile der Börsenumsätze auf statistische Arbitrageure zurückzuführen sind. Es wird geschätzt, dass die Transaktionen des im Bereich der statistischen Arbitrage führenden Hedge- Funds zwischen fünf und zehn Prozent des Handelsvolumens an der New York Stock Exchange ausmachen.
Die Grundidee ist, dass kurzfristige Preisungleichgewichte sich wieder ihrem Mittelwert annähern. Vereinfacht dargestellt bildet der statistische Arbitrageur zwei Portfolios. Diese beiden Portfolios müssen sich in der Vergangenheit wertmäßig nahezu parallel zum Gesamtmarkt und somit auch zueinander entwickelt haben und eine im Idealfall völlig identische Branchenstruktur aufweisen. Bewegen sich die Wertentwicklungen dieser beiden Portfolios auseinander, verkauft der statistische Arbitrageur das teurer gewordene Portfolio und kauft das billiger gewordene. Gleicht sich der Wert beider Portfolios wieder an, erzielt er einen Gewinn.
Das Hauptproblem der statistischen Arbitrage ist die Kapazität. Um bereits bei kleinen Abweichungen eine auf das Fundsvermögen bezogen ansehnliche Rendite erzielen zu können, ist eine hohe Fremdkapitalquote notwendig. Wird das eingesetzte Volumen im Verhältnis zum Markt aber zu groß, können die Transaktionen des Arbitrageurs die Preise beeinflussen und damit die eigene Strategie konterkarieren.
- Was versteht man unter Event-Driven-Strategien?
- Diese Strategien zielen darauf ab, bevorstehende spezifische Ereignisse in Unternehmen auszunutzen.
Die beiden Hauptkategorien dieser Stilrichtung betreffen das Distressed Investing (Investition in Firmen mit großen finanziellen Schwierigkeiten) sowie die Merger-(Übernahme-)Arbitrage. Die Rendite des Managers hängt von der Schnelligkeit, Nachhaltigkeit und Wahrscheinlichkeit ab, in der gewisse Ereignisse oder Entwicklungen eintreten.
- Was versteht man unter Distressed Investing?
- Distressed Securities Funds investieren ihre Gelder in Aktien und Anleihen von Unternehmen, die sich in finanziellen oder operationellen Schwierigkeiten befinden.
Es ist zwischen aktiven und passiven Investoren zu unterscheiden: Die aktiven Investoren sichern sich als Gegenleistung für ihre Kapitalbeteiligung ein Mitspracherecht bei der Restrukturierung der problembehafteten Unternehmung; die passiven Anleger hingegen kaufen lediglich Anleihen der Gesellschaft und warten auf eine Korrektur. Bei Investments in Gesellschaften mit operativen Schwierigkeiten unterbreiten Hedge-Funds oft selbst Restrukturierungspläne oder setzen auf eigene Kosten Unternehmensberater bei den betroffenen Unternehmen ein, um den Wert ihrer Anlage zu steigern. Aufgrund der hohen Risiken bei einzelnen Engagements (das Totalverlustrisiko ist hier nicht nur theoretischer Natur und wird bewusst eingegangen) ist es wichtig, dass innerhalb des Fundsvermögens eine breite Risikostreuung stattfindet. Auch werden „distressed investments“ selten mit Fremdkapital getätigt. Diese Funds „investieren in die Angst anderer Leute“. Viele Marktteilnehmer erachten die Gefahr weiterer Kursrückgänge als besonders groß, wenn der Preis eines Wertpapiers bereits deutlich gefallen ist. Auch fehlt dem Durchschnittsanleger oft das Know-how, um das tatsächliche Ausmaß der Situation eines in Schwierigkeiten geratenen Unternehmens zu beurteilen. Im Zweifelsfall trennt er sich lieber mit Verlusten von Engagements, als sich dem Risiko des Totalverlustes des Restwertes auszusetzen. Auch können steuerliche oder bilanzrechtliche Gegebenheiten dafür sprechen, das verlustreich gewordene Investment baldmöglichst zu beenden. Dies führt dazu, dass Aktien und Anleihen von in (Zahlungs-)Schwierigkeiten geratenen Unternehmen in der Summe deutlich unter ihrem tatsächlichen Wert notieren. Neben dem Kauf von Wertpapieren besteht in der Kreditvergabe an die Unternehmen eine weitere Möglichkeit, Gewinne zu generieren. Diese Gesellschaften sind aufgrund ihrer Situation gezwungen, sehr hohe Zinssätze zu akzeptieren. Das Verlustrisiko aus dem Kredit kann durch den Erwerb von Verkaufsoptionen auf die Aktie des Unternehmens abgemildert werden. Stabilisiert sich die Situation des Unternehmens, ist den hohen Zinsen auf der Ertragsseite die entrichtete Optionsprämie gegenzurechnen.
- Was bedeutet „indirekte Anlage“ in Hedge Funds?
- Die besonderen Chancen von Hedge-Funds liegen in ihrem Ziel, unabhängig von Marktentwicklungen positive Renditen zu erzielen. Bei erfolgreicher Strategie lässt sich sogar ein Ertrag erzielen, der erheblich über der durchschnittlichen Wertsteigerung in Aktien, Renten oder sonstigen Kapitalanlagen liegen kann. Den besonderen Chancen stehen besondere Risiken gegenüber. Erfüllt sich die Strategie des Hedge-Funds nicht, kann dies zu Kursverlusten führen. Im ungünstigsten Fall kann der Totalverlust eines einzelnen Funds eintreten. Für die meisten Privatanleger ist die Anlage in einzelnen Hedge- Funds aufgrund dieses Risikos und der hohen Mindestanlagesummen nicht geeignet. Formen indirekter Anlage eröffnen jedoch die Möglichkeit, die Chancen dieser Produktgruppe bei gleichzeitig nachhaltiger Reduzierung der spezifischen Risiken zu nutzen. Formen indirekter Anlage investieren in diversifizierte Hedge- Funds-Portfolios. Neben so genannter Funds-of-Funds, die in Hedge-Funds aller Stilrichtungen investieren, gibt es Funds, die sich auf einzelne Stilrichtungen (beispielsweise Fund of Event- Driven-Funds) beschränken. Der Vorteil eines Fund-of-Funds oder auch Multi-Manager- Funds liegt in der professionellen Auswahl und Überwachung der eingegangenen Investments und in der Erzielung eines diversifizierten Portfolios. Ein Portfolio gilt dann als diversifiziert, wenn es sich aus Anlagen zusammensetzt, deren Wertentwicklung nicht gleichläufig ist. Nachstehendes Beispiel soll dies vereinfacht dargestellt veranschaulichen. Zwei unterschiedliche Anlageobjekte verteuern sich in einem bestimmten Zeitabschnitt um 40 beziehungsweise 60 Prozent. Die Schwankungsintensität (gemessen anhand der Standardabweichung) beträgt beim ersten Anlageobjekt 11 Prozent, beim zweiten Anlageobjekt 10 Prozent. Aus beiden Anlageobjekten wird ein Portfolio gebildet, in dem die Anlageobjekte zum Startzeitpunkt gleichgewichtet sind. Die Gesamtperformance des Portfolios beträgt erwartungsgemäß 50 Prozent (Durchschnitt aus 40 und 60 Prozent). Die Schwankungsintenstität des Portfolios hingegen liegt nicht zwischen 10 und 11 Prozent, sondern lediglich bei 7,6 Prozent! Beträgt die Risikobereitschaft eines Anlegers (gemessen an der Volatilität seiner Anlage) beispielsweise 8 Prozent, so wären beide Anlageinstrumente isoliert betracht für ihn zu risikoreich gewesen. Durch den Diversifikationseffekt kann er jedoch in ein Portfolio investieren, das aus diesen beiden Anlageinstrumenten besteht, ohne dass die Anlage seine Risikobereitschaft übersteigt. Zu den weiteren Vorteilen einer indirekten Anlage zählen geringere Mindestinvestitionen sowie eine höhere Liquidität der Anlage. Indirekte Anlageformen ermöglichen einer sehr viel breiteren Anlegerschicht, in Hedge-Funds zu investieren. Durch die Diversifikation kann in Funds mit langen Halteperioden investiert und dem Anleger dennoch eine kürzerfristige Ein- und Ausstiegsmöglichkeit gewährt werden. Somit bieten Formen der indirekten Anlage dem Privatanleger geeignete Einstiegsmöglichkeiten in Hedge-Funds- Produkte an. Für die zusätzlichen Leistungen, insbesondere die aktive Verwaltung des Portfolios, werden jedoch Kosten belastet, die die Wertentwicklung der Anlage schmälern. Diese Kosten können entweder fix oder variabel sein. Die Höhe der variablen Kosten ist in der Regel an die Wertentwicklung des Beteiligungsvermögens gekoppelt. Bei mehrstufigen Beteiligungsstrukturen ist zu beachten, dass alle eingeschalteten Gesellschaften (Intermediäre) separate Gebühren für ihre Leistungen erheben.
- Was charakterisiert eine Direktanlage in Hedge Funds?
- Dem Anleger steht ein Universum von weltweit über 6.000 Hedge-Funds zur Auswahl. Der eine Direktanlage suchende Anleger muss aus dieser Anzahl den für ihn geeigneten Manager und die für ihn geeignete Stilrichtung auswählen. Hierbei werden besondere Anforderungen an die Kenntnisse des Investors gestellt. Neben der Auswahl sollte der Direktanleger auch eine umfassende Überwachung gewährleisten können. Insgesamt ist das erforderliche Wissen, um im Segment der Hedge- Funds eine erfolgreiche Direktanlage tätigen zu können, weitaus höher als bei traditionellen Anlagen. Die zwar gestiegene, aber insgesamt noch immer relativ geringe Transparenz der Hedge-Funds-Industrie erschwert dem potenziellen Direktanleger die Auswahl zusätzlich. Hedge-Funds sind für einen sehr vermögenden und anspruchsvollen Anlegerkreis entwickelt worden. Da im Hauptmarkt USA die Anzahl der Investoren, die sich zu einem Hedge-Funds- Investorenkreis zusammenschließen durften, bis in die zweite Amtszeit des Präsidenten Clinton auf 99 Mitglieder pro Hedge- Fund beschränkt war, ist die geforderte Mindestinvestition beträchtlich: Sie bewegt sich zwischen 100.000 US-Dollar und zweistelligen US-Dollar-Millionenbeträgen und liegt meist bei 1 Million US-Dollar. Um ein diversifiziertes Hedge-Fund-Portfolio aufzubauen, das zum einen verschiedene Stilrichtungen kombiniert und zum anderen nur eine Beimischung in der Größenordnung von bis zu 10 Prozent des Gesamtvermögens darstellt, ist somit ein Vermögen im dreistelligen Millionenbereich erforderlich. Neben der hohen Mindestinvestition sind die Haltefristen bei der Direktanlage zu beachten. Diese betragen je nach Strategie bis zu mehreren Jahren (beispielsweise bei der Convertible Bond Arbitrage). Sie sind erforderlich, damit der Hedge-Fund-Manager seine Strategie im Rahmen seiner zeitlichen Vorstellungen durchführen kann und nicht durch vorzeitige Mittelabflüsse seine Positionen zu einem unerwünschten Zeitpunkt auflösen muss. Hierunter würde die Wertentwicklung des Fundsvermögens leiden. Im Einzelfall ist jedoch zu prüfen, ob die Mindesthaltedauer für die eingegangenen Strategien tatsächlich erforderlich ist oder ob der Fundsmanager lediglich die Attraktivität seines Funds ausnutzt, um die Kundengelder möglichst langfristig an sich zu binden. Auch diese Prüfung erfordert ein hohes Maß an Sachkenntnis. Mittels historischer Daten lassen sich die Leistungen der Manager in der Vergangenheit messen. Bei unvollkommener Transparenz ist es jedoch nicht möglich, die erzielten Wertentwicklungen ins Verhältnis mit den eingegangenen Risiken zu setzen und die Qualität der einzelnen Anlageentscheidungen des Managers zu bewerten. Die hervorragende Wertentwicklung eines Long-Short-Managers kann beispielsweise aus besonderen Fähigkeiten bei der Aktienauswahl, aber auch aus der Anlage in ein Indexportfolio mit hohem Fremdkapitaleinsatz in Zeiten steigender Aktienmärkte resultieren. Dieses Beispiel zeigt, dass sich die Analyse im Vorfeld einer Anlageentscheidung nicht auf historische Performancedaten beschränken darf, sondern fundiertes Fachwissen über die Wirkungsweise der vom Manager eingesetzten Strategie und dem verwendeten Risikomanagement voraussetzt. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nur sehr wenige Anleger über die finanziellen und fachlichen Voraussetzungen verfügen, um eigenständig Direktinvestitionen im Hedge- Funds-Segment zu tätigen. Die nachstehenden Anlageformen werden den Voraussetzungen, aber auch den Anlagezielen der großen Mehrheit der Privatanleger gerechter.
- Was versteht man unter Managed-Futures?
- Unter Managed-Futures versteht man die professionelle, vielfach globale und aktive Vermögensverwaltung (über so genannte Commodity Trading Advisers – CTAs) verschiedener Asset-Klassen unter Verwendung börsengehandelter Futures. Die Manager haben die Möglichkeit über eine aktive – meist systematische – Handelsstrategie sowohl von fallenden als auch von steigenden Kurstrends zu profitieren. Die Portfolios der CTAs sind meist breit diversifiziert und investieren in bis zu 100 unterschiedliche Finanz- und Warenterminkontrakte. Durch die Kombination von Long- und Short-Engagements einerseits und von Finanz- und Warenterminkontrakten andererseits kann eine vom Finanzmarkt unabhängige Wertentwicklung erzielt werden. Die Handelssystematik der CTAs kann sowohl lang- als auch kurzfristig ausgerichtet sein. Sie realisieren, wenn die prognostizierten Trends nicht eintreten, frühzeitig ihre Verluste. Dies führt dazu, dass bereits eine Quote von 25 Prozent erfolgreicher Investments zu einer positiven Gesamtentwicklung führen kann. Die Renditeverteilung ist folglich sehr unregelmäßig: Eine überdurchschnittliche Jahresperformance kann aus einem sehr erfolgreichen Monat und elf unterdurchschnittlichen Monatsentwicklungen resultieren. CTAs weisen generell recht hohe Ertragsschwankungen auf und es kann auch Perioden mit erheblichen Verlusten geben. Deshalb sollte der Investor trotz der Kurzfristigkeit der einzelnen Transaktionen innerhalb des Funds einen längeren Anlagehorizont haben. CTAs sind im Gegensatz zu Hedge-Funds aufsichtsrechtlich stark reguliert und investieren nur in sehr liquide Instrumente. Daher können Anleger ihre Investitionen auch sehr kurzfristig kündigen, wenn sie statt in einem Fund in ein so genanntes Managed Account, also über ein Einzelkonto, beim CTA engagiert sind.
- Was versteht man unter Merger-(Übernahme-)Arbitrage?
- Diese Form der Arbitrage hat ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert und ist damit deutlich älter als die Hedge-Funds-Industrie selbst. Die ersten Merger-Arbitrage-Funds stammen aus den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Die wachsende Anzahl an Fusionen am Ende des 20. Jahrhunderts bot zahlreiche Investitionsmöglichkeiten für diese Fundskategorie. Da bei Abgabe von Übernahmeangeboten ein mathematisch eindeutiges Verhältnis zwischen den Kursen der übernehmenden und der zu übernehmenden Gesellschaft hergestellt wird, ist es relativ einfach, Arbitrage-Gelegenheiten zu entdecken.
Das Risiko des Investors ist durch die Unsicherheit bestimmt, ob die Übernahme oder Fusion letztendlich tatsächlich stattfindet oder ob die übernehmende Gesellschaft bei geringer Akzeptanz des bisherigen Angebotes dieses nachbessert und somit das mathematische (faire) Verhältnis der Kurse der beiden betroffenen Gesellschaften verschiebt. Allgemein gesprochen drückt die Höhe des möglichen Übernahme-Arbitragegewinns die Wahrscheinlichkeit aus, mit der am Markt mit dem Scheitern der Fusion zu den veröffentlichten Bedingungen gerechnet wird.
Die meisten Merger-Arbitrage-Funds investieren nur in bereits bekannt gegebene Transaktionen. Die Spekulation darauf, dass eine Übernahme veröffentlicht wird, und auf das für die Übernahme relevante Umtauschverhältnis fällt eher in die Kategorie der Long-Short-Strategien.
- Was versteht man unter dem Begriff „Private Equity“?
- Private Equity beschreibt eine Finanzierungsart, die in der Regel von nicht börsennotierten Unternehmen genutzt wird. Sie ist auch eine Art der Kapitalanlage. Neben der Investition von Eigenkapital kann der Private-Equity-Investor auch eine Managementunterstützung leisten. Kapital wird häufig nur dann zur Verfügung gestellt, wenn sich das Unternehmen in einer entscheidenden Entwicklungsphase befindet. Bei einigen Unternehmen steht sogar die Managementunterstützung im Vordergrund. Sie finanzieren sich am Private-Equity-Markt nur, um von der Managementerfahrung des Kapitalgebers zu profitieren. In der Regel ist die aktive Teilnahme des Investors am operativen Geschäft bei jungen Unternehmen besonders intensiv.
Die Aufnahme einer Private-Equity-Gesellschaft als Unternehmensteilhaber im Gegenzug zur Bereitstellung von Eigenkapital und Management-Know-how hat für das Unternehmen gegenüber der klassischen Fremdfinanzierung (über Kredite) den Vorteil, dass in der Frühphase des Unternehmens kein Kapital in Form von Zins- und Tilgungsleistungen abfließt. Die verbesserte Kapitalstruktur (mehr Eigenkapital, weniger Fremdkapital) verbessert auch die Ausgangslage für Kreditverhandlungen mit Banken. Im Gegenzug verliert der Gründer die alleinige Selbstbestimmung; die Private-Equity-Gesellschaft nimmt entscheidend auf die strategische Entscheidung ihres Investitionsobjektes Einfluss.
Private-Equity-Anlagen sind von einer hohen Ertragserwartung gekennzeichnet, die im Verhältnis zum Risiko des eingesetzten Kapitals stehen muss. Da Private Equity eine für den Unternehmer teure Finanzierungsform darstellt, wird ein Unternehmen, das zur Sicherheitenstellung in der Lage ist, möglicherweise auf eine klassische (besicherte) Fremdfinanzierung zurückgreifen wollen.
Im Private-Equity-Geschäft tritt an Stelle der üblichen Sicherheiten ein nicht bilanzierbarer Vermögenswert des Unternehmers: die Teilhabe des Private-Equity-Investors am erwarteten Erfolg der Firma. Während eine Kreditfinanzierung immer Fremd- und somit rückzuzahlendes Kapital zur Verfügung stellt, besteht ein Private-Equity-Engagement aus der reinen Zurverfügungstellung von Eigenkapital (der Investor wird Teilhaber der finanzierten Gesellschaft) beziehungsweise gelegentlich aus einer Kombination von Eigen- und Fremdkapital. Private Equity-Finanzierungen sind mittel- bis langfristiger Natur.
Je jünger, also weniger entwickelt eine Unternehmung ist, umso länger ist der zeitliche Horizont eines Private-Equity-Investments. Dieser kann bei Unternehmen in der Gründungsphase durchaus bei über zehn Jahren liegen.
Allen Private-Equity-Anlagen ist das Ziel gemein, sich beim Erreichen eines bestimmten Entwicklungsstands des Unternehmens wieder von der Investition zu trennen. Somit wird auch bei einer Eigenkapitalfinanzierung dieses Eigenkapital durch den Investor nur auf Zeit zur Verfügung gestellt. Das finanzierte Unternehmen muss also mit einer Änderung der Eigentümerstruktur zu dem Zeitpunkt rechnen, in dem sich der Private- Equity-Investor wieder von seiner Anlage trennt. Das Eigenkapital an sich steht jedoch unbegrenzt zur Verfügung, es findet lediglich ein Eigentümerwechsel statt.
Der Private-Equity-Markt weist Charakteristiken auf, die ihn deutlich von entwickelten Kapitalmärkten unterscheiden. Aufgrund der fehlenden Börsennotiz und mit ihr einhergehender Publikationspflichten handelt es sich hier um einen hochgradig intransparenten Markt, der ein deutliches Informationsungleichgewicht zwischen Investor und Unternehmen aufweisen kann. Dieses Informationsungleichgewicht erklärt sich dadurch, dass der Unternehmer die Situation seines Unternehmens zwangsläufig besser kennt als der Investor. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine reine Eigenkapitalinvestition ohne Managementberatung handelt.
Da Private-Equity-Finanzierungen keiner Registrierungspflicht unterliegen und auch die Kapitalgeber in der Regel mangels Börsennotierung keiner Publikationspflicht unterworfen sind, besitzen die öffentlich vorliegenden Informationen über den Private-Equity-Markt wenig Aussagekraft.
Die bei einer Investition erlangten Ansprüche sind sehr illiquide und somit nur schwer veräußerbar. Zudem sind einzelne direkte Private-Equity-Investments mit hohen Risiken behaftet (hierauf wird später noch detaillierter eingegangen); es besteht eine hohe Unsicherheit über die erzielbaren Renditen und deren Eintrittswahrscheinlichkeiten. Bei einer Kombination aus Kapitalgeber- und Managementfunktion des Investors kann dieser die möglichen Risiken und Erträge durch unternehmerische Entscheidungen aktiv mit beeinflussen.
- Welche Formen von „Private Equity“ gibt es?
- Die gängigste Klassifizierung von Private Equity ist die Einteilung nach dem Zeitpunkt der Investition in ein Unternehmen. Eine Differenzierung wird dabei i.d.R. wie folgt vorgenommen:
Seed-Financing Start-up-Financing Early-Stage-Financing Expansion-Financing Later-Stage-Financing Buyout-Financing
- Was versteht man unter Seed-Financing?
- In dieser frühesten Phase einer Unternehmung wird Kapital zur Entwicklung eines Unternehmenskonzeptes, eines Prototyps oder zur Erstellung von Marktanalysen bereitgestellt.
In dieser Phase ist in der Regel nur ein grobes Konzept oder eine Idee vorhanden. Ein detaillierteres Unternehmenskonzept („business plan“) ist meist noch nicht erstellt. Mit dem Kapital wird das Ziel verfolgt, anhand eines funktionierenden Prototyps die technische und mittels von Marktstudien die wirtschaftliche Machbarkeit der Idee zu ergründen. Der Kapitalbedarf ist in dieser Phase noch relativ gering, das Totalverlustrisiko für einen Investor aber enorm hoch. Deshalb würde sich ein Private- Equity-Funds die Finanzierung dieser Phase mit einer recht hohen Beteiligungsquote an der Unternehmung honorieren lassen. Ein Unternehmer wird in dieser Phase den Private-Equity- Markt folglich meiden und nach Möglichkeit auf billigere Finanzalternativen (zum Beispiel Familie, Freunde etc.) ausweichen.
- Was versteht man unter Start-up-Financing?
- In dieser Phase wird Kapital zur Finanzierung der Unternehmensgründung, Produktentwicklung und erster Marketingaufwendungen bereitgestellt.
Das detaillierte Unternehmenskonzept ist nun in der Regel erstellt und der Produktprototyp in der Testphase. Es können bereits erste Bestellungen vorliegen. Die Start-up-Finanzierung soll in erster Linie die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt schaffen. Hierzu gehört die Fertigstellung eines marktfähigen Produktes, Erstellung von Produktionskapazitäten, Aufbau einer Organisationsstruktur und Rekrutierung eines Managementteams. In dieser Phase liegen die Risiken für den Kapitalgeber vornehmlich in Produktmängeln oder der fehlenden Durchsetzungsfähigkeit des Produktes am Markt.
- Was versteht man unter Early-Stage-Financing?
- Hier wird vorrangig Kapital zum Aufbau der Produktion und der Distribution benötigt.
Das Produkt oder die Dienstleistung hat bereits eine gewisse Marktakzeptanz erreicht. Eine erste Ausweitung der Produktionskapazität ist ebenso zu finanzieren wie deutliche Marketinganstrengungen, um die Bekanntheit des von einem lokal sehr begrenzten Markt akzeptierten Produktes zu steigern. So ist die Marktdurchdringung und Umsatzsteigerung Hauptziel einer Early-Stage-Finanzierung. Aber auch das Erreichen der Gewinnzone, die Senkung der Stückkosten und der Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes sind hier zu nennen.
Hier sind erstmals Managementaufgaben zu lösen. Da dies nicht unbedingt die Stärke eines genialen Erfinders oder hervorragenden Technikers sein muss, ist hier die Einbindung des Know-hows von Private-Equity-Gesellschaften durchaus sinnvoll.
Das Risiko für ein Investment ist in dieser Phase schon deutlich geringer, da das Produkt marktfähig ist. Für das Gros der Private-Equity-Funds ist dies die erste Phase, in der sie Kapital zur Verfügung stellen. Hier steht im Gegensatz zu den vorherigen Unternehmensphasen die Höhe des benötigten Kapitals in einem akzeptablen Verhältnis zu den Kosten für die Analyse der Unternehmung durch das Fundsmanagement.
- Was versteht man unter Expansion-Financing?
- Nach einer erfolgreichen Markteinführung tritt das Unternehmen in seiner Entwicklung in die Expansionsphase ein. Diese Phase unterscheidet sich von der Early-Stage-Phase durch deutliche höhere Umsätze.
Das Unternehmen benötigt nun Wachstumskapital und ist in dieser Phase dank hohen Umsatz- und Ergebniswachstums ein interessantes Investitionsobjekt. Das Hauptziel der Finanzierung kann im Wachstum auf dem Heimatmarkt, aber auch in der Erschließung ausländischer Märkte liegen. Im Gegensatz zur klassischen Kreditfinanzierung profitiert das Unternehmen hier wiederum von der angebotenen Managementunterstützung. In dieser Entwicklungsphase arbeiten die Unternehmen bereits teilweise auf einen Börsengang hin. Dadurch verkürzt sich die Investitionsdauer für die Private-Equity-Gesellschaft deutlich.
- Was versteht man unter Later-Stage-Financing?
- Later-Stage-Finanzierungen werden Unternehmen, die sich in der Reifephase befinden und als etablierte Unternehmen Gewinne erwirtschaften, zur Verfügung gestellt.
Das Wachstum des Unternehmens wird weiter forciert. Während nun auf einen idealen Zeitpunkt zur Veräußerung gewartet wird, soll ein stabiles und erfahrenes Managementteam, das die Rentabilität und die finanzielle Stabilität langfristig garantiert, aufgebaut und somit ein erfolgreicher Börsengang ermöglicht werden. Eine Investition in dieser Unternehmensphase ist durch eine Kapitalbindung von unter zwei Jahren gekennzeichnet. In einer günstigen Börsenphase (hohe Nachfrage nach Neuemissionen) kann auf diese Finanzierungsphase verzichtet werden. Da es sich um eine kurzfristige Kapitalbereitstellung zur Überbrückung der Zeit bis zum Börsengang handelt, wird auch von „Bridge-Financing“ gesprochen.
Later-Stage-Finanzierungen können aber auch so genanntes „Replacement Capital“ zur Verfügung stellen. Hier wird bereits existierendes Eigenkapital von Alteigentümern übernommen. Dem Unternehmen wird hierdurch kein neues Kapital zur Verfügung gestellt. Strebt das Unternehmen mittelfristig keinen Börsengang an und entfällt somit die Aussicht auf einen Kapitalgewinn für die Private-Equity-Gesellschaft, liegt die erwartete Einnahmequelle in der Gewinnausschüttung (Dividende). Als Verkäufer treten Alteigentümer (Firmengründer, Familienmitglieder, sonstige Minderheitsaktionäre) auf, die außerhalb eines Börsenganges den Wert ihrer Beteiligung liquidieren wollen. Letztlich umfasst der Bereich der Later-Stage-Finanzierung auch den Bereich „Restructuring Capital“. Dieses soll es bedrohten Unternehmen ermöglichen, sich am Markt neu zu positionieren und Umstrukturierungen durchzuführen. Dies verlangt vonseiten der Private-Equity-Gesellschaft ein hohes firmen- oder sektorenspezifisches Know-how und einen hohen Managementeinsatz.
Daher ist Restructuring Capital in den Portfolios von Private-Equity-Gesellschaften selten anzutreffen. Derartige Investitionen werden eher von Event-Driven-Hedge-Funds (siehe FAQs Hedge Funds) getätigt, die auf problembehaftete Investments spezialisiert sind.
- Was versteht man unter Buyout-Financing?
- Unter einem Buyout ist die Gründung eines neuen Unternehmens durch Trennung von den bisherigen Eigentümern zu verstehen. Durch den Buyout wird dem Unternehmen neues Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Hierdurch vergünstigt sich das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital des neuen gegenüber dem bisherigen Unternehmen. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn das zugeführte Eigenkapital zur Kredittilgung eingesetzt wird. Hierdurch reduziert sich auch die Zinslast des Unternehmens.
Der sehr vielfältig verwandte Ausdruck des Buyouts wird durch verschiedene Zusatzbezeichnungen spezifiziert. Hierbei sind insbesondere die Begriffe „Management Buyout“ und „Leveraged Buyout“ häufig anzutreffen.
Für Buyout-Funds interessante Objekte sind in erster Linie reifere, also bereits etablierte Unternehmen, die sich in einer späten Entwicklungsphase befinden. Die Anlage in derartige Unternehmen birgt geringere Risiken als eine Investition in die Frühphase einer Gesellschaft. Der Bereich der Buyouts ist einer der wichtigsten Segmente im Private-Equity-Geschäft und auch einer der ertragreichsten.
- Was ist ein Management Buyout?
- Bei einem Management Buyout (MBO) erwirbt das Management einer Firma als Käufergruppe die Mehrheit am Eigenkapital und somit die Kontrolle über das Unternehmen.
Hierbei wird das Management oftmals durch Private-Equity- Gesellschaften sowohl finanziell als auch strategisch unterstützt. Motiv für die Übernahme des bisherigen Arbeitgebers ist die Möglichkeit, selbstständiger Unternehmer zu werden und eigene Konzepte umzusetzen. In seltenen Fällen übernimmt ein externes Managementteam eine Gesellschaft. Hier spricht man von einem Management Buyin.
Die Bereitschaft der bisherigen Eigentümer, das Unternehmen an das bisherige Management zu verkaufen, kann aus dem geplanten Rückzug der Unternehmensgründer resultieren. Ziehen sich die Gründer einer Familienunternehmung beispielsweise in den Ruhestand zurück, kann ein MBO eine Form der Firmenübergabe an Familienfremde darstellen. Auch Teilbetriebe, von denen sich ein größerer Konzern trennen möchte, eignen sich für einen MBO. Des Weiteren können Teile einer sich in Konkurs befindlichen Unternehmung oder Privatisierungen von staatlichen Betrieben Quelle eines MBOs sein.
- Was charakterisiert einen Leveraged Buyout?
- Als Leveraged Buyout bezeichnet man eine (fast) ausschließlich fremdkapitalfinanzierte Übernahme. Die Erwerber sind aber nicht an einer strategischen Beteiligung interessiert, sondern verfolgen das Ziel, die Kaufsumme aus der Zerschlagung oder dem kompletten Weiterverkauf der Unternehmung zu refinanzieren.
Durch den hohen Fremdkapitaleinsatz wird eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite der übernehmenden Gesellschaft erzielt. Die übernehmende Gesellschaft (wie beispielsweise ein Buyout- Funds) versucht, das bisherige Management der übernommenen Firma mit einem gewissen Anteil an der Übernahme zu beteiligen. Dadurch bewirkt sie, dass die Unternehmensleitung die gleichen Interessen verfolgt wie die Buyout-Gesellschaft selbst.
- Wie differenziert man Venture Capital und Private Equity?
- Der Begriff Venture Capital stammt aus den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Ursprünglich stellten Venture-Capital- Firmen vor allem sich in der Gründungsphase befindenden Unternehmen aus der High-Tech-Branche Eigenkapital zur Verfügung. Da den Unternehmensgründern (Informatiker oder Ingenieure) Managementerfahrung fehlte, trat neben die reine finanzielle Unterstützung die Beratung in Managementfragen. In den folgenden Jahrzehnten entfernte sich die Geschäftstätigkeit von Venture-Capital-Gesellschaften immer weiter von obiger Definition. Sie finanzierten auch Erweiterungsinvestitionen gestandener Unternehmen (Expansion-Financing), unterstützten Firmen kurz von dem Gang an die Börse (Bridge- Financing) oder gewährten Firmenchefs die nötige finanzielle Unterstützung zur Realisierung eines MBOs. Sie verließen auch das Segment der High-Tech-Branche, um letztlich in allen Sektoren aktiv zu werden. Auch die Einschränkung auf innovative Produkte war nicht von langer Dauer. Heute definieren Venture- Capitalisten ihre Zielobjekte als Unternehmungen mit großem Wachstumspotenzial.
Die Trennlinie zwischen Private Equity, Venture Capital und dem deutschen Begriff Kapitalbeteiligungsgesellschaft ist verloren gegangen.
Der Begriff Private Equity, der historisch breiter gefasst war und all das umschließt, was Venture Capital heute darstellt, hat sich mehrheitlich durchgesetzt. So änderte 1993 die damalige „Swiss Venture Capital Association“ ihren Namen in „Swiss Private Equity and Corporate Finance Association“. Die fehlende Begriffsklarheit kommt auch in der Tatsache zum Ausdruck, dass die US-amerikanische „National Venture Capital Association“ Buyouts nicht als Venture Capital betrachtet, wohingegen die „European Venture Capital Association“ diesen Bereich in ihre Marktstatistiken einbezieht.
- Was charakterisiert eine Direktanlage in „Private Equity“?
- Eine Direktanlage in Private Equity bedeutet, dass der Investor mögliche Investitionsobjekte sucht, bewertet, die Finanzierung strukturiert, während der Investitionsdauer das Unternehmen durch Managementfähigkeiten unterstützt und die Weiterveräußerung der Beteiligung eigenständig durchführt. Lediglich einige wenige Großinvestoren sind in der Lage, eine solche Anlagestrategie zu verfolgen.
Aufgrund des hohen Aufwandes ist eine Direktanlage in Private Equity für die meisten Privatanleger praktisch nicht durchführbar.
- Was bedeutet „indirekte Anlage“ in „Private Equity“?
- Nachdem die Direktanlage in Private Equity für nahezu alle Privatanleger ausscheidet, stellen Private-Equity-Funds eine interessante Anlageform dar. Die Vorteile der indirekten Anlage (Diversifikation, Management der Anlage durch Spezialisten, geringere Mindestanlagebeträge sowie höhere Liquidität der Anteile) treffen auf Private-Equity-Funds allerdings nur in geringerem Maße zu. Da auch Private-Equity-Funds meist in Form der so genannten Limited Partnership gegründet werden und diese Rechtsform einen überschaubaren Investorenkreis erfordert, sind die Mindestanlagesummen für Private-Equity-Funds meist im sechsstelligen US-Dollar-Bereich angesiedelt. Aufgrund des hohen Betreuungsaufwandes der einzelnen Unternehmen besteht das Investitionsportfolio eines durchschnittlichen Private-Equity-Funds aus nur acht Gesellschaften. Dieser Diversifikationsgrad ist für einen Privatanleger nicht ausreichend. Durch die sehr große Spannbreite der Renditen, insbesondere bei der Investition in einzelne Seed-, Start-up- und Early- Stage-Unternehmungen, kann bei einer so geringen Diversifikation der Totalverlust des Kapitals nicht ausgeschlossen werden. Dies gilt umso mehr, je stärker sich die Fundsgesellschaft auf die Finanzierung der Frühphasen der Unternehmensentwicklung spezialisiert hat. Auch ist die vorzeitige Veräußerbarkeit von Private-Equity-Funds sehr stark eingeschränkt und oft mit deutlichen Preiszugeständnissen verbunden.
Weitere Unzulänglichkeiten für den Privatanleger sind die Form des Kapitalabrufes, die begrenzte Laufzeit der Funds sowie die typische Wertentwicklung eines Private-Equity-Funds. Die Investitionsphase eines Private-Equity-Funds erstreckt sich über mehrere Jahre. Während es in den Siebzigerjahren üblich war, den kompletten Fundsbetrag am Anfang einzuzahlen, rufen die Private-Equity-Funds heute die Einzahlungen phasenweise (bei anstehenden Investitionen) ab. Dies hat für den Investor zwar grundsätzlich den Vorteil, dass sein Kapital kürzer gebunden ist. Da aber die Abruftermine im Vorhinein nicht bekannt sind, ist er praktisch gezwungen, die potenziell noch einzuzahlenden Mittel kurzfristig und risikolos anzulegen.
Private-Equity-Funds haben meist eine Laufzeit von zehn Jahren. Da Private-Equity-Anlagen aber hohe jährliche Renditeschwankungen aufweisen, die häufig auch nur auf Schätzungen beruhen, eignen sie sich nur als sehr langfristige Anlage. Der Investor ist also bei der begrenzten Laufzeit alle zehn Jahre gefordert, eine neue Anlagealternative ausfindig zu machen. Durch die hohen Renditeschwankungen läuft er dabei Gefahr, zwischen zwei Investitionen einen sehr erfolgreichen Zeitabschnitt zu verpassen und somit eine im Verhältnis zum Gesamtmarkt unterdurchschnittliche Wertentwicklung zu erzielen. Alle und somit auch erfolgreiche Private-Equity-Funds erwirtschaften in den ersten Jahren ihres Bestehens Verluste. Dies resultiert daraus, dass einerseits Verluste aus schlechten Investitionen innerhalb des Fundsvermögens immer früher anfallen als mögliche Gewinne aus guten Anlagen. Andererseits müssen auch bei mittelfristig sehr erfolgreichen Investments in der Startphase Verluste einkalkuliert werden. Ob ein Investment erfolgreich ist oder nicht, zeigt sich somit oft erst in der Endphase der Investitionsperiode und nicht bereits zu Anfang. Somit entwickelt sich die Rendite von guten und weniger guten Private- Equity-Funds erst in der Endphase ihres Bestehens auseinander. Dies macht es für einen Anleger ohne Spezialkenntnisse unmöglich, anhand historischer Wertentwicklungsdaten für seine Anlageentscheidung gute von weniger guten Funds zu unterscheiden.
Die oben dargestellten Charakteristika von Private-Equity- Funds zeigen, dass eine Anlage in Private Equity mithilfe eines diversifizierten Dachfunds oder einer anderen Konstruktion, deren Beteiligungsvermögen sich aus zahlreichen Private-Equity-Funds zusammensetzt, erfolgen sollte. Dadurch kann die Schwankungsintensität der Anlage deutlich reduziert werden. Dieser Vorteil sollte bei der Anlageentscheidung gegenüber den mit einer strukturierten Anlage verbundenen höheren Kosten eindeutig im Vordergrund stehen.
- Welche Formen der indirekten „Private Equity“-Anlage gibt es?
- Es gibt zahlreiche Formen der indirekten Anlage. Die zuvor dargestellten Vorteile Diversifikation, geringere Mindestanlagebeträge und höhere Liquidität treffen auf alle Formen der indirekten Anlage zu.
Neben dem Dachfundskonzept sind auch geschlossene Funds, die Gründung einer Beteiligungsgesellschaft mit Börsennotiz, die Ausgabe von Zertifikaten auf ein Fundsvermögen, die Kopplung des Rückzahlungsbetrages einer Anleihe an das Beteiligungsvermögen sowie Konstruktionen mit teilweiser oder vollständiger Rückzahlungsgarantie denkbar. Diese Rückzahlungsgarantie kann durch erstklassige Finanzinstitute ausgesprochen werden. Darüber hinaus ist es auch möglich, Optionsrechte auf den Wert eines Beteiligungsvermögens zu begeben und somit Produkte mit Optionscharakter zu konstruieren. Die Vielfältigkeit an Formen der indirekten Beteiligung ist auch in unterschiedlichen Rechts- und Steuervorschriften begründet, die je nach Sitz des Anlegers gelten. So kann es einem Anleger Vorteile bieten, wenn das Produkt, in das er investiert, der Anlageform Funds, Aktie oder Anleihe zugerechnet wird.
Die individuelle Ausgestaltung eines konkreten Anlageinstrumentes und die damit verbundenen Besonderheiten müssen dem Verkaufsprospekt des jeweiligen Instrumentes entnommen werden und können hier nicht umfassend dargestellt werden. Da es sich um ein dynamisch wachsendes Marktsegment handelt, entwickeln sich auch weiterhin immer neue Formen der indirekten Anlage. In der „Sonstiges“-Sektion der FAQs sind die Instrumente in einer allgemeinen Form kurz dargestellt.
- Was versteht man unter Dachfunds?
- Die Dachfundsgesellschaft investiert in ein bereits diversifiziertes Hedge-Funds- beziehungsweise Private-Equity-Funds- Portfolio.
Jeder Private-Equity-Funds wiederum finanziert und unterstützt eine geringe Anzahl von Unternehmen. Auf das Fundsvermögen des Dachfunds werden Investmentzertifikate ausgegeben. Der Anleger trennt sich von seiner Anlage, indem er die Fundsanteile an die Dachfundsgesellschaft zurückgibt. Diese veröffentlicht regelmäßig Ausgabe- und Rücknahmepreise für die Investmentanteile.
Neben einem offenen Funds, der die regelmäßige Rückgabe der Fundsanteile an die Dachfundsgesellschaft ermöglicht, werden auch geschlossene Funds zur indirekten Anlage offeriert. Der Vorteil für das Fundsmanagement liegt darin, dass der Anleger seine Anteile nicht an die Fundsgesellschaft zurückgeben kann. Das Kapital steht somit langfristig zur Verfügung und das Fundsmanagement braucht keine Liquiditätsreserve für die Auszahlung zurückgegebener Anteile zu halten. Der Anleger hat daraus den Vorteil, dass der Manager mit langfristig zur Verfügung stehendem Kapital in der Regel eine bessere Wertentwicklung erzielen kann. Allerdings ist die Veräußerbarkeit seiner Anteile, insbesondere bei fehlender Börsennotiz der Fundsanteile, stark eingeschränkt.
- Was versteht man unter einer geschlossenen Investmentgesellschaft?
- Bei dieser Form der indirekten Anlage wird das Beteiligungsvermögen einer Dachfundsgesellschaft (oder das Beteiligungsvermögen an mehreren Dachfundsgesellschaften) in eine börsennotierte Gesellschaft überführt, die dem Aktienrecht unterliegt. Die Mindestanlagebeträge (Kurs einer Aktie) sind gegenüber der Anlage in einen Dachfunds nochmals reduziert.
Der Hauptvorteil für den Anleger liegt aber in der gesteigerten Liquidität seiner Anlage. Im Regelfall kann er sich von den Aktien, die eine Beteiligung an Hedge-Funds-Anlagen verbriefen, börsentäglich trennen. Der börsennotierten Gesellschaft hingegen steht das Kapital unbegrenzt zur Verfügung. Der Handel der Aktie findet nur zwischen den Anlegern und nicht zwischen der Beteiligungsgesellschaft und den Anlegern statt. Bei dieser Struktur ist zu beachten, dass sich der Kurs der Aktien aus der Angebots- und Nachfragesituation an der Börse ergibt und nicht wie bei einem Funds auf Basis des Wertes des Fundsvermögens errechnet wird. Hierdurch ist es möglich, dass der börsengehandelte Wert der Aktie unterhalb des rechnerischen Wertes liegt, der sich aus dem Beteiligungsvermögen ergibt.
Es ist sogar vorstellbar, dass zwischen Erwerb und Veräußerung der Aktie der Wert des Beteiligungsvermögens steigt, der Wert der Aktie hingegen aufgrund der Angebots- und Nachfragesituation an der Börse gleich bleibt oder fällt.
- Was versteht man unter Zertifikaten?
- Eine weitere Form der indirekten Anlage stellen so genannte Zertifikate dar. Sie verbriefen einen Zahlungsanspruch, der sich an der Wertentwicklung eines Beteiligungsvermögens oder an einem Index orientiert. Sie können entweder von einer Dachfundsgesellschaft oder von einer Gesellschaft, die in verschiedene Dachfunds investiert, herausgegeben werden. Die Kombination mit einer Börsennotiz ist ebenfalls möglich. Zertifikate sind rechtlich Inhaberschuldverschreibungen, die keinen garantierten Zins zahlen.
- Was versteht man unter Anleihen/Wandelanleihen?
- Es kann auch über spezielle Anleihen eine Anlage in Alternative Investments erfolgen. Die Höhe der Rückzahlung bei Fälligkeit der Anleihe wird hierbei an den Wert des Beteiligungsvermögens gekoppelt. Zwischenzeitliche Ausschüttungen können in Form von Zinszahlungen getätigt werden. Diese können entweder fest oder variabel sein. Diese Konstruktion eignet sich in Form einer Wandelanleihe auch zur Bildung einer garantierten Struktur. Der Anleger hat das Recht, bei positiver Wertentwicklung eine Rückzahlung in Abhängigkeit der Wertentwicklung des Beteiligungsvermögens zu verlangen, kann aber auch bei negativer Wertentwicklung die Tilgung seiner Anleihe zum ursprünglich investierten Nominalwert fordern.
