2. Sustainable Finance/Taxonomie: EBA veröffentlicht Advice zu Artikel 8

27. March 2021

Wie auch im Beitrag 3 zur Fonds- und Marktregulierung (Technical Advice von ESMA) und im vorstehenden Beitrag 1 zum Investorenaufsichtsrecht (Technical Advice von EIOPA) berichtet haben die ESAs je Technical Advices zu Art. 8 der Taxonomie veröffentlicht. EBA veröffentlichte am 26. Februar 2021 ihren Bericht zu Key Performance Indicators (KPIs) für die Transparenz der ökologisch nachhaltigen Aktivitäten von Instituten und zu aufsichtsrechtlichen Offenlegungen von ESG-Risiken im Rahmen der Capital Requirements Regulation CRR.

Unternehmen, die in den Anwendungsbereich der EU-Taxonomie-Verordnung fallen, verfügen nun über alle relevanten Leitlinien, um mit der Planung ihrer Angaben darüber zu beginnen, wie und in welchem Umfang ihre Tätigkeiten mit wirtschaftlichen Aktivitäten verbunden sind, die gemäß der EU-Taxonomie-Verordnung als ökologisch nachhaltig eingestuft werden.

Der Leitfaden von EBA erläutert die KPIs, die Institute offenlegen sollten, den Umfang und die Methodik für die Berechnung dieser KPIs sowie die qualitativen Informationen, die Institute bereitstellen sollten.

Der wichtigste vorgeschlagene KPI ist die "Green Asset Ratio" (GAR), die die Finanzierungsaktivitäten von Instituten identifiziert, die gemäß der EU-Taxonomieverordnung ökologisch nachhaltig sind, einschließlich Aktivitäten, die mit den Zielen des europäischen Green Deal und des Pariser Abkommens übereinstimmen. Die Informationen zum GAR werden durch weitere KPIs ergänzt, die Aufschluss über die Taxonomie-Ausrichtung der Dienstleistungen der Institute geben, die über die Kreditvergabe und die Geldanlage hinausgehen. EBA hat Proportionalitätsmaßnahmen integriert, die den Instituten die Offenlegung erleichtern sollen, einschließlich Übergangsfristen, in denen Offenlegungen in Form von Schätzungen und Näherungswerten erlaubt sind.

Die EU-Taxonomieverordnung tritt zu folgenden Terminen in Kraft:

  • Januar 2022 (mit Offenlegungsstichtag Ende 2021): für die Umweltziele Klimawandelabschwächung und Klimawandelanpassung
  • Januar 2023 (mit Offenlegungsstichtag Ende 2022): für andere Umweltziele (nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen; Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft; Vermeidung und Verminderung von Umweltverschmutzung; Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen).

ESG-Risiko-Offenlegungen unter CRR:

EBA berät in ihrem Bericht über die aufsichtsrechtliche Offenlegung von ESG-Risiken gemäß Artikel 449a der CRR als Teil des Säule-3-Berichtsrahmens, der derzeit für die Offenlegung von regulatorischem Kapital und Risikopositionen konzipiert ist. Die Vorschläge sollen es Anlegern und Stakeholdern ermöglichen, die Nachhaltigkeitsleistung von Instituten zu vergleichen, wobei der Schwerpunkt auf ihren finanziellen Aktivitäten und Schwachstellen liegt, sowie darauf, wie sie ESG-Risiken abmildern, einschließlich Informationen darüber, wie sie ihre Kunden und Gegenparteien im Anpassungsprozess unterstützen. Die Offenlegung der Säule 3 erfolgt parallel zu Artikel 8 der EU-Taxonomieverordnung, und die EBA-Empfehlung gemäß Artikel 8 der EU-Taxonomieverordnung sollte daher in Verbindung mit diesem Konsultationspapier gelesen werden.

EBA schlägt einen sequenziellen Ansatz für die Umsetzung der aufsichtlichen ESG-Offenlegungen vor. Dieser Ansatz steht im Einklang mit den von der Europäischen Kommission geplanten Fristen für die EU-Taxonomieverordnung, die bis Ende 2022 nur die Screening-Kriterien in Bezug auf die Umweltziele Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel abdeckt. Sobald die Taxonomie-Screening-Kriterien auf andere Umweltziele ausgeweitet sind, wird EBA dann den Entwurf der technischen Durchführungsstandards (Implementing Technical Standards – ITS) für Säule 3 ESG erweitern, um quantitative Angaben zu anderen Umweltrisiken und -zielen zu implementieren. Bis Ende 2021 wird die Kommission darüber berichten, ob der Anwendungsbereich der Taxonomie auf soziale Risiken sowie auf umweltschädliche und -neutrale Aktivitäten ausgeweitet werden soll – eine Ausweitung, die EBA sehr unterstützen würde, da sie den Instituten zusätzliche und relevante Instrumente zur Verfügung stellen würde. Wenn die Taxonomie auf umweltschädliche und neutrale Tätigkeiten ausgeweitet wird, wird EBA die im Entwurf der ITS vorgeschlagenen quantitativen Informationen überarbeiten, um sie an die Definitionen und Klassifizierungskriterien der Taxonomie anzupassen.

Die Offenlegung der Säule 3 wird ab dem 28. Juni 2022 (für CRR-Firmen) und ab dem 26. Dezember 2022 (für IDD-Klasse-2-Firmen) erforderlich sein. Es gelten die folgenden Übergangsregelungen:

  • Juni 2024: Angaben zu den Scope-3-Emissionen der Institute

Begründung: Institute müssen Informationen über CO2-Emissionen von ihren Gegenparteien sammeln und Methoden zur Schätzung ihrer Scope-3-Emissionen entwickeln. Während des Übergangszeitraums werden die Institute die Methoden, die sie zur Messung und Schätzung ihrer Scope-3-Emissionen entwickeln, sowie die Datenquellen, die sie zu verwenden planen, erläutern. Institute, die diese Informationen bereits schätzen, sollten damit beginnen, sie unter Verwendung von Schätzungen und Spannen offenzulegen.

  • Juni 2024: Offenlegung der GAR auf den Bestand an Vermögenswerten für diejenigen Engagements gegenüber Privatkunden und Unternehmen, die nicht der Offenlegungspflicht der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) unterliegen

Begründung: Der Datenerhebungsprozess sollte im Falle von Gegenparteien, die der NFRD-Offenlegungspflicht unterliegen, einfacher und schneller sein, da diese ab Januar 2022 gemäß Artikel 8 der EU-Taxonomieverordnung mit der Offenlegung relevanter Informationen für das Geschäftsjahr 2021 beginnen. Für Gegenparteien, die nicht dem NFRD unterliegen, wird es aufwändiger sein - in diesem Fall werden die Informationen auf bilateraler Basis erhoben. Das Übergangsdatum ist mit den in den EBA-Leitlinien zur Kreditvergabe und -überwachung enthaltenen Fristen abgestimmt.

Unternehmen, die in den Anwendungsbereich der EU-Vorschriften fallen, müssen eine Reihe verschiedener, sich überschneidender ESG-Angaben auf Unternehmensebene machen.

Der Bericht von EBA kann auch für Fondsgesellschaften relevant sein. So könnte sich auf Grund der Vorschläge zur Berichterstattung über Taxonomie-konforme Investitionen, die auch indirekte Anlagen über Fonds umfassen sollen, die Notwendigkeit zur Ermittlung von Taxonomie-Quoten auch für konventionelle Fonds ergeben, in die Banken investiert sind. Auf Grund der Vorgaben der Taxonomie-Verordnung müssen nur nachhaltige Fonds über den Anteil von ökologisch nachhaltigen Aktivitäten in ihren Portfolien berichten.

Sie finden den Advice von EBA unter nachfolgendem Link:

Advice

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