2. Sustainable Finance/MiFID II: Konsultation zur Überprüfung der MiFID II-Eignungsleitlinien

ESMA hat am 27. Januar 2022 einen Vorschlag zur Änderung der „Leitlinien zu einigen Aspekten der MiFID-II-Anforderungen an die Eignung“, insbesondere auch mit Blick auf Nachhaltigkeits-Präferenzen, zur Konsultation veröffentlicht. Insbesondere schlägt ESMA eine neutrale und unvoreingenommene Abfrage der Nachhaltigkeits-Kundenpräferenzen vor und appelliert ebenso an eine Aufklärung der Kunden über die drei Säulen „E“, „S“ und „G“ hinweg.

Das Konsultationspapier baut auf dem Text der ESMA-Leitlinien aus dem Jahr 2018 auf, die nun nach der Verabschiedung der Änderungen an der delegierten Verordnung zur MiFID II durch die EU-Kommission überarbeitet werden, um die Nachhaltigkeitsfaktoren Risiko und Präferenzen in bestimmte organisatorische Anforderungen und Betriebsbedingungen für Wertpapierfirmen zu integrieren.

Die Bewertung der Eignung ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für Anleger im Rahmen von MiFID II und gilt für alle Arten von Anlageberatung (unabhängig oder nicht) und Portfolioverwaltung.

Die wichtigsten Änderungen, die in die delegierte Verordnung zur MIFID II aufgenommen wurden und sich in den Leitlinien zum Thema Nachhaltigkeit widerspiegeln, sind:

  • Einholung von Kundeninformationen über Nachhaltigkeitspräferenzen: Die Firmen müssen von den Kunden Informationen über ihre Präferenzen in Bezug auf die verschiedenen Arten von nachhaltigen Anlageprodukten einholen und angeben, in welchem Umfang sie in diese Produkte investieren wollen;
  • Bewertung der Nachhaltigkeitspräferenzen: Sobald die Firma eine Reihe geeigneter Produkte für den Kunden anhand der Kriterien Wissen und Erfahrung, finanzielle Situation und sonstige Anlageziele ermittelt hat, muss sie in einem zweiten Schritt das Produkt oder die Produkte bestimmen, welche die Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden erfüllen; und
  • Organisatorische Anforderungen: Die Firmen müssen ihre Mitarbeiter zu Nachhaltigkeitsthemen schulen und die Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden (falls vorhanden) sowie alle Aktualisierungen dieser Präferenzen in geeigneter Weise aufzeichnen.

Die Überprüfung dieser Leitlinien bietet auch die Gelegenheit, andere relevante Faktoren zu berücksichtigen, wie z. B.:

  • die Integration der guten und schlechten Praktiken, die in den Gemeinsamen Aufsichtsmaßnahmen (CSA) für 2020 ermittelt wurden, um die aktuellen Leitlinien zu ergänzen. Diese guten und schlechten Praktiken werden den Unternehmen in den Bereichen, in denen es noch an Konvergenz zu mangeln scheint, als praktische Orientierungshilfe dienen; und
  • die mit dem Kapitalmarkt-Sanierungspaket eingeführten Änderungen an Artikel 25 Absatz 2 der MiFID II.

Die Konsultation endet am 27. April 2022. ESMA wird die auf die Konsultation eingehenden Rückmeldungen im zweiten Quartal 2022 prüfen und voraussichtlich im dritten Quartal 2022 einen Abschlussbericht veröffentlichen.

Die Konsultation finden Sie unter nachfolgendem Link:

Consultation

Die Gemeinsamen Aufsichtsmaßnahmen für 2020 finden Sie hier:

Public Statement

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