14. Digital Finance: BaFin veröffentlicht Prinzipienpapier zum Einsatz von Algorithmen

17. June 2021

Die BaFin hat am 15. Juni 2021 ein Prinzipienpapier zur Aufsicht des Finanzmarkts bei Einsatz von Algorithmen veröffentlicht („Big Data und künstliche Intelligenz: Prinzipien für den Einsatz von Algorithmen in Entscheidungsprozessen“). Es befasst sich mit Algorithmen, die verstärkt im Rahmen von Entscheidungsprozessen von Finanzunternehmen genutzt werden. Die Themen Big Data und Artificial Intelligence (BDAI) sind dabei die wesentliche Grundlage für den Einsatz von Algorithmen. Einen steigenden Einsatz von künstlicher Intelligenz, mit dem Vorteile sowie Risiken für alle beteiligten Seiten einhergehen, attestierte schon 2018 eine Studie der BaFin. Um mit (potenziellen) Risiken möglichst souverän umgehen zu können, bietet das Prinzipienpapier eine erste Grundlage, um langfristig Rechts- und Anwendungssicherheit für den Finanzsektor beim Einsatz von BDAI zu schaffen.

Das Papier enthält auch verschiedenen Use-Cases, am Ende explizit mit Bezug zur Fondsverwaltung (S. 15): KVGen können Algorithmen bei der Verwaltung von Fonds einsetzen. Investitions- und Desinvestitionsentscheidungen für einen Fonds (kollektive Portfolioverwaltung) trifft dann nicht mehr ausschließlich ein Portfoliomanager. Sie erfolgen vielmehr auf Basis eines für diesen Fonds entwickelten Algorithmus. In dem beschriebenen Use-Case erfolgt zum Beispiel die algorithmenbasierte Aktienauswahl nach einem quantitativen Multi-Faktor-Ansatz, der das Risiko- /Ertragsprofil des Fonds optimieren soll.

Das Prinzipienpapier setzt zum einen die Ergebnisse aus Studie und anschließender Konsultation von 2019 zu Rahmenbedingungen für BDAI um, die Betroffenen als Orientierungshilfe dienen. Weiterhin werden durch den zukünftigen Austausch mit diversen Stakeholdern stetige Verbesserungen angestrebt, da man auf europäischer Ebene - auch wegen des Papiers - von einer guten Zusammenarbeit zwischen ESAs und Kommission ausgeht.

Wann die Prinzipien gelten, ist nicht eindeutig zu sagen, wenn BDAI-Verfahren nicht eindeutig von gewöhnlicher Statistik abzugrenzen sind. Es wird deswegen davon ausgegangen, dass Algorithmen betroffen sind, sofern sie drei Merkmale aufweisen: sie müssen verglichen mit klassischen statistischen Verfahren besonders komplex sein; sie unterliegen immer kürzeren Rekalibrierungszyklen; Automatisierung nimmt zu bei Anwendung von BDAI-Methoden, was einem einzelnen Algorithmus höhere Wirkungskraft einbringt.

Für die Prinzipien ist man davon ausgegangen, dass die Entscheidung durch den Algorithmus vereinfacht in zwei Phasen erfolgt. In der ersten Phase (Entwicklungsphase) wählt der Algorithmus aus, kalibriert und validiert, was im Papier mit Prinzipien zur Datenstrategie aber auch zur Nachvollziehbarkeit erfasst wird. In der zweiten Phase (Anwendungsphase) sind die Ergebnisse zu interpretieren und einzubinden, was auf verschiedene Arten geschehen kann. Es gibt auch Prinzipien, die unabhängig von der Phase gelten, beispielsweise bezüglich angemessenen Risiko- und Auslagerungsmanagements.

Sie finden die Meldung der BaFin hier:

Meldung

Hier finden Sie das Prinzipienpapier:

Prinzipienpapier

Hier finden Sie die Studie "Big Data trifft auf künstliche Intelligenz" von 2018:

Studie

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