7. Sustainable Finance/STS: ESAs konsultieren RTS zu Offenlegung v. Nachhaltigkeitsinformationen

24. May 2022

Die Europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) haben am 2. Mai 2022 eine öffentliche Konsultation (Joint Consultation Paper – STS securitisations-related sustainability disclosures) eingeleitet, um Rückmeldungen zu ihren Entwürfen für technische Regulierungsstandards (RTS) zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen für einfache, transparente und standardisierte (STS) Verbriefungen zu sammeln. Die ESAs sammeln insbesondere Rückmeldungen zum Inhalt, zu den Methoden und zur Darstellung der Informationen solcher Offenlegungen, um die fakultative Offenlegung der wichtigsten negativen Auswirkungen von STS-Vermögenswerten auf ESG-bezogene Faktoren durch die Originatoren zu erleichtern. Die Frist für die Beantwortung der Konsultation läuft bis zum 2. Juli 2022.

Die Verordnung über die Offenlegung von Informationen über nachhaltige Finanzprodukte (Sustainable Finance Disclosures Regulation – SFDR) schreibt den Finanzmarktteilnehmern und Finanzberatern unter anderem vor, wie Nachhaltigkeitsrisiken in Entscheidungen und Beratungen einbezogen und wie negative Nachhaltigkeitsauswirkungen (Principal Adverse Impacts – PAIs) auf Unternehmens- und Produktebene berücksichtigt werden. Verbriefungen sind jedoch kein "Finanzprodukt" im Sinne der SFDR, und aufgrund von Bedenken, dass nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungen auf dem Verbriefungsmarkt unzureichend entwickelt sind, schlug die EU-Kommission erfolgreich nachhaltigkeitsbezogene Änderungen an der Verbriefungsverordnung als Teil des Kapitalmarktsanierungspakets (Capital Markets Recovery PackageCMRP) und in Verbindung mit anderen Änderungen in Bezug auf notleidende Kredite und synthetische Verbriefungen vor. Diese Änderungen traten im April 2021 in Kraft.

Originatoren können sich für die Offenlegung der Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren entscheiden: Ab dem 1. Juni 2021 können Originatoren von traditionellen STS-Verbriefungen, die keine ABCP sind, und bilanzwirksamen STS-Verbriefungen, bei denen es sich bei den zugrundeliegenden Risikopositionen um Wohnimmobilienkredite, Autokredite oder Leasingverträge handelt, sich dafür entscheiden, die verfügbaren Informationen über die wichtigsten negativen Auswirkungen (PAI) der durch diese zugrundeliegenden Risikopositionen finanzierten Vermögenswerte auf "Nachhaltigkeitsfaktoren" zu veröffentlichen. Der Begriff "Nachhaltigkeitsfaktoren" wird unter Bezugnahme auf die SFDR definiert (d. h. "Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte, Korruptions- und Bestechungsbekämpfung").

Die Europäischen Aufsichtsbehörden (ESAs) wurden damit beauftragt, technische Regulierungsstandards (RTS) für den Inhalt, die Methodik und die Darstellung dieser Informationen zu entwickeln, und veröffentlichten diese RTS-Entwürfe im genannten Konsultationspapier. Wie in den Änderungen der Verbriefungsverordnung von 2021 vorgesehen, stützten sich die ESAs so weit wie möglich auf die von ihnen im Rahmen der SFDR entwickelten RTS (vorbehaltlich bestimmter verbriefungsspezifischer Abweichungen).

Mit der Entwicklung des RTS verfolgten die ESAs folgende Ziele:

  • die Art und Darstellung der Informationen zu standardisieren, die ein Originator über die PAIs der durch die zugrundeliegenden Forderungen finanzierten Vermögenswerte zu den Nachhaltigkeitsfaktoren offenlegen kann;
  • den Anlegern zu helfen, die negativen Auswirkungen der durch die zugrundeliegenden Risikopositionen finanzierten Vermögenswerte auf die Nachhaltigkeitsfaktoren zu messen und zu vergleichen; und
  • den Finanzmarktteilnehmern zu helfen, indem ein Rahmen für die Messung dieser negativen Auswirkungen geschaffen wird.

Die RTS-Entwürfe wurden nicht als Rahmen für eine "nachhaltige Verbriefung" konzipiert.

Die ESAs schlagen vor, dass die Offenlegung in Form eines eigenständigen Principal Adverse Impact Statement erfolgt, das auf dem Formular im Anhang zu den SFDR RTS basiert, die am 1. Januar 2023 in Kraft treten werden. Was die Art und Weise betrifft, wie die Originatoren diese Informationen veröffentlichen werden, so sieht der RTS-Entwurf eine Offenlegung über Verbriefungsregister (um einen zentralen Zugangspunkt zu ermöglichen und die Validierung und den Vergleich der offengelegten Informationen zu ermöglichen) und nicht über Websites (wie es bei den SFDR der Fall ist) vor.

Die RTS-SFDR enthalten bekanntlich PAI KPIs für die Assetklassen Sovereigns/Supranationals, Real Estate und Investee Companies (Corporates). Verbriefungen werden aber typischerweise auch für andere Assets durchgeführt, beispielsweise Leasingverträge oder Konsumkredite für Autos. Wo es möglich war, beziehen sich die ESAs bei der Auswahl der einschlägigen PAI KPIs auf diejenigen aus den RTS-SFDR – eben für die genannten Assetklassen. Wo nötig und sinnvoll, werden Differenzierungen vorgenommen – so unterscheiden die RTS-STS bspw. zwischen Residential Real Estate und Commercial Real Estate, oder werden spezifische PAI vorgeschlagen – eben bspw. für Auto Loans and Leases.

Viele der 19 Konsultationsfragen beziehen sich auf die untersuchten Anlageklassen (Wohnimmobilienkredite, Autokredite oder Leasinggeschäfte). In Übereinstimmung mit den SFDR RTS sind im RTS-Entwurf für Immobilien nur Umweltindikatoren enthalten, nicht aber soziale oder Governance-Indikatoren.

Die ESA sind jedoch der Ansicht, dass Originatoren von Verbriefungen, die durch andere Arten von zugrundeliegenden Krediten unterlegt sind, ebenfalls die Möglichkeit haben sollten, Informationen über PAIs zu Nachhaltigkeitsfaktoren zu liefern. Vor diesem Hintergrund bitten die ESAs auch um Rückmeldungen zu potenziellen Indikatoren für andere Arten von Verbriefungen, insbesondere für solche mit zugrunde liegenden Risikopositionen in Bezug auf gewerbliche Immobilien, Unternehmensschulden, KMU-Schulden und Handelsforderungen. Sie bitten auch um die Meinung der Industrie darüber, ob es machbar und wünschenswert ist, Indikatoren für Verbriefungen zu entwickeln, bei denen die zugrunde liegenden Forderungen Kreditkartenschulden und Verbraucherkredite sind.

Sie finden das Konsultationspapier unter nachfolgendem Link:

Konsultationspapier

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