1. Krypto-Währungen und andere -Token: BMF veröffentlicht Anwendungsschreiben

24. May 2022

Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung von Token im Allgemeinen und virtuellen Währungen wie Bitcoin im Speziellen veröffentlichte das Bundesministerium der Finanzen am 10. Mai 2022 ein BMF-Schreiben, das Verwaltung, Wirtschaft und dem individuellen Steuerpflichtigen einen rechtssicheren und einfach anwendbaren Leitfaden zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung von virtuellen Währungen und sonstigen Token an die Hand geben soll.

Damit liegt erstmals eine bundesweit einheitliche Verwaltungsanweisung zum Thema vor.

Das BMF-Schreiben behandelt verschiedene Krypto-Sachverhalte, die technisch erläutert und ertragsteuerrechtlich eingeordnet werden. Neben dem An- und Verkauf etwa von Bitcoin oder Ether betrifft dies insbesondere die Blockerstellung (bei Bitcoin Mining genannt). Daneben beschäftigt sich das BMF-Schreiben mit Staking, Lending, Hard Forks, Airdrops, den ertragsteuerrechtlichen Besonderheiten von Utility und Security Token sowie Token als Arbeitnehmereinkünfte.

Wichtiger Zwischenschritt bei der Erarbeitung des BMF-Schreibens war die Anhörung im Sommer 2021, an der sich auch der BAI, stellvertretend für die Meinungen und Interessen seiner Mitglieder, teilnahm. Eine der am intensivsten diskutierten Fragen war, ob Vorgänge wie Lending und Staking zu einer Verlängerung der Frist führen können, innerhalb derer ein privater Verkauf der hierfür genutzten virtuellen Währung als privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Einkommensteuergesetz steuerpflichtig ist. In Abstimmung mit den Ländern hält das BMF-Schreiben nun fest, dass die sogenannte Zehnjahresfrist bei virtuellen Währungen keine Anwendung findet. Damit ist der Verkauf von z.B. Bitcoin oder Ethereum nach einem Jahr steuerfrei.

Das Bundesministerium der Finanzen wird sich auch weiterhin in enger Abstimmung mit den obersten Finanzbehörden der Länder und unter Einbindung der Verbände mit ertragsteuerrechtlichen Fragen rund um virtuelle Währungen und sonstige Token befassen.

Die Gliederung des nun finalen Schreibens gleicht weitestgehend dem Entwurf. Es beginnt mit technischen Erläuterungen, denen dann die ertragsteuerrechtliche Einordnung des BMF folgt. Als praxisrelevanteste Meinungsänderung des BMF ist hervorzuheben, dass nach Auffassung des BMF bei virtuellen Währungen die Verlängerung der Frist nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 4 EStG nicht zur Anwendung kommt. Unverändert hält die Finanzverwaltung daran fest, dass virtuelle Währungen und sonstige Token Wirtschaftsgüter darstellen und diese dem Eigentümer zuzurechnen sind. Blockrewards für die Erstellung eines Blocks beim Proof of Work (sog. Mining), als auch beim Proof of Stake (sog. Forging) führen nach Verwaltungsauffassung zu einer Anschaffung und nicht zu einer Herstellung. Für die Zugangsbewertung soll nunmehr der Kurs auf einer Handelsplattform anstelle des Durchschnittskurses von drei verschiedenen Handelsplattformen ausreichen. Token im Rahmen eines Initial Coin Offerings sollen hingegen beim Emittenten selbst hergestellte Wirtschaftsgüter darstellen, die mit den Herstellungskosten zu aktivieren sein sollen. Weiter äußert sich das BMF dazu, wann Token auch als Wertpapiere oder andere Finanzinstrumente anzusehen sind. In bestimmten Fällen können auch Sachleistungsansprüche vorliegen für die die BFH-Rechtsprechung zu Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen und zu Gold-Bullion-Securities entsprechend Anwendung finden soll.

Die Grundsätze des Schreibens sind in allen offenen Fällen anzuwenden. Erwartungsgemäß hat sich das BMF nicht zu den Mitwirkungs- und Aufzeichnungspflichten der Steuerpflichtigen geäußert. Dies soll dem Vernehmen nach in einem weiteren BMF-Schreiben geregelt werden. Weitere konkretisierende BMF-Schreiben, insb. zum Thema Decentralized Finance (DeFi) werden ebenfalls erwartet.

Das vollständige BMF-Schreiben finden Sie unter nachfolgendem Link:

BMF v. 10.05.2022

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