2. Solvency II/Sustainable Finance: Delegierte Verordnung zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken

21. July 2021

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat am 23. Juni 2021 ihren Bericht über das Management und die Beaufsichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken (ESG) veröffentlicht. Der Bericht, der eine Schlüsselkomponente der breiteren ESG-Arbeit der EBA ist, enthält einen umfassenden Vorschlag, wie ESG-Faktoren und ESG-Risiken in den regulatorischen und aufsichtlichen Rahmen für Kreditinstitute und Wertpapierfirmen einbezogen werden sollten. Der Bericht konzentriert sich auf die Widerstandsfähigkeit von Instituten gegenüber den potenziellen finanziellen Auswirkungen von ESG-Risiken über verschiedene Zeithorizonte. Dies erfordert sorgfältige Bewertungen durch Institutionen und Aufsichtsbehörden, die eine umfassende und vorausschauende Sichtweise einnehmen sollten, sowie frühzeitige, proaktive Maßnahmen.

Der Bericht skizziert die Auswirkungen, die ESG-Faktoren, insbesondere der Klimawandel, auf die Gegenparteien oder investierten Vermögenswerte von Institutionen haben können, was sich auf finanzielle Risiken auswirkt. Außerdem zeigt der Bericht verfügbare Indikatoren, Messgrößen und Bewertungsmethoden auf, die für ein effektives ESG-Risikomanagement erforderlich sind, und identifiziert verbleibende Lücken und Herausforderungen in diesem Bereich.

Die EBA empfiehlt den Instituten, Überlegungen zu ESG-Risiken in ihre Strategien und Ziele sowie in die Governance-Strukturen einzubeziehen und diese Risiken als Treiber finanzieller Risiken in ihre Risikobereitschaft und den internen Kapitalallokationsprozess einzubeziehen. Die EBA empfiehlt außerdem die Entwicklung von Methoden und Ansätzen, um die langfristige Widerstandsfähigkeit von Instituten gegenüber ESG-Faktoren und -Risiken zu testen, einschließlich der Verwendung von Szenarioanalysen.

Um den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) weiter zu verbessern, sieht die EBA die Notwendigkeit, den Zeithorizont für die aufsichtliche Bewertung der Widerstandsfähigkeit der Geschäftsmodelle von Instituten zu erweitern und mindestens einen 10-Jahres-Horizont anzuwenden, um physische Risiken, relevante öffentliche Maßnahmen oder breitere Übergangstrends zu erfassen. Der Bericht schlägt einen schrittweisen Ansatz vor, beginnend mit der Einbeziehung klimabezogener und umweltbezogener Faktoren und Risiken in die aufsichtliche Geschäftsmodell- und interne Governance-Analyse, während die Institute und Aufsichtsbehörden ermutigt werden, Daten und Instrumente zur Entwicklung von Quantifizierungsansätzen aufzubauen, um den Umfang der aufsichtlichen Analyse auf andere Elemente auszuweiten.

Gemäß Artikel 98(8) CRD und Artikel 35 IFD hat die EBA den Auftrag zu prüfen, wie ESG-Risiken in die drei Säulen des Bankenaufsichtsrahmens aufgenommen werden können. In diesem Bericht wird ihre mögliche Einbeziehung in Säule 2 bewertet, indem (i) gemeinsame Definitionen von ESG-Risiken bereitgestellt werden, (ii) die von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen (Instituten) umzusetzenden Vorkehrungen, Prozesse, Mechanismen und Strategien zur Identifizierung, Bewertung und Steuerung von ESG-Risiken erläutert werden und (iii) Empfehlungen ausgesprochen werden, wie ESG-Risiken in die aufsichtliche Überprüfung und Bewertung durch die zuständigen Behörden einbezogen werden sollten.

Der Abschlussbericht der EBA richtet sich an Kreditinstitute und Wertpapierinstitute unter dem neuen Aufsichtsregime der IFD bzw. IFR. Er dient dazu, dass die zuständigen Behörden die Einbeziehung von ESG-Risiken in ihrer Aufsicht berücksichtigen und die Unternehmen diese in ihren internen Prozessen zur Identifizierung, Bewertung und Bewältigung von ESG-Risiken umsetzen können. Der Bericht sollte in Verbindung mit weiteren Veröffentlichungen der EBA und den ESAs zur Offenlegung nach der CRR („Säule 3“), der Taxonomie-Verordnung und der Offenlegungsverordnung betrachtet werden, die wichtige Kennzahlen zur Unterstützung von Strategien und Risikomanagement liefern. Die EBA wird im Laufe des Jahres Offenlegungsanforderungen der Säule 3 zu ESG-Risiken, Übergangsrisiken und physischen Risiken, wie in diesem Bericht definiert, veröffentlichen.

Im Vergleich zum Konsultationsentwurf haben sich noch Änderungen ergeben. Insbesondere hat die EBA das Verständnis der ESG-Risiken für Wertpapierinstitute, die Finanzportfolioverwaltung und Anlageberatung betreiben, weiter konkretisiert. Sie stellt für diese Firmen darauf ab, dass sich ESG-Faktoren über die finanzielle Performance des Kundenportfolios auf das Risikoprofil der Wertpapierfirmen auswirken können – in diesem Fall über Gebühren und Provisionen sowie andere monetäre Gewinne, die die Wertpapierinstitute aus der Erbringung dieser Tätigkeiten erzielen können. In ähnlicher Weise würde sich die Verwirklichung von ESG-Risiken in verschiedenen Risikokennzahlen manifestieren, die z. B. im Rahmen der Vermögensverwaltung überwacht werden.

Sie finden den Bericht der EBA hier:

EBA Report

 

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