4. Sustainable Finance/SFDR: ESAs veröffentlichen clarifications zu den RTS

Das Joint Committee der ESAs hat am 2. Juni 2022 weitere Klarstellungen (Clarifications on the ESAs' draft RTS under SFDR) zu den Anfang April veröffentlichten RTS SFDR veröffentlicht:

Die Veröffentlichung soll in 55 durchnummerierten Ziffern Klarstellungen zu Schlüsselbereichen der Entwürfe technischer Regulierungsstandards im Rahmen der SFDR liefern. Die wichtigsten Bereiche, die darin behandelt werden, sind die Angaben zu den wichtigsten nachteiligen Auswirkungen (Principal Adverse Impact – PAI), zu Finanzprodukten und zum Grundsatz, keinen nennenswerten Schaden anzurichten (Do no significant harm – DNSH).

Die Klarstellungen der ESAs beziehen sich noch nicht auf den Delegierten Rechtsakt der EU-Kommission vom 6. April 2022 (vgl. letzte BAI Infomail IV/2022), wie die ESAs einleitend (Ziffer 2) selbst festhalten, da diese RTS SFDR formal noch nicht final sind. Da materiell indessen im Vergleich zu en RTS-Entwürfen aus 2021 keine wesentlichen Änderungen erfolgt waren, sind die Klarstellungen dennoch hilfreich.

Zu den Klarstellungen in der Erklärung gehören:

  • dass es möglich ist, die PAI-Indikatoren zur Messung der ökologischen oder sozialen Merkmale (bei Art.-8-Fonds) oder der nachhaltigen Gesamtauswirkungen des Finanzprodukts (sog. Art.-8-plus oder Art.-9-Produkte) zu verwenden, und dass die ESAs der Klarheit halber eine Tabelle mit drei möglichen Verwendungen der PAI-Indikatoren auf Finanzproduktebene in die Erklärung aufnehmen. Die ESAs bestätigen somit, dass Nachhaltigkeitsindikatoren zur Messung der Umsetzung der spezifischen ESG-Strategie bzw. der Nachhaltigkeitswirkung dienen sollen und damit von PAI-Indikatoren grundsätzlich zu trennen sind. PAI-Indikatoren können aber als Nachhaltigkeitsindikatoren genutzt werden (müssen aber nicht als solche genutzt werden), z. B. um die Wirkung des Produktes in bestimmten Nachhaltigkeitsbereichen zu belegen, selbst wenn sich das Produkt nicht im Sinne von Artikel 7 SFDR zur Berücksichtigung dieser Indikatoren verpflichtet hat.
  • weitere Einzelheiten zur PAI-Berechnungsmethodik: Die ESAs stellen fest, dass mehrere Finanzmarktteilnehmer Fragen zu den Berechnungsregeln im Zusammenhang mit der regelmäßigen Offenlegung von Finanzprodukten hatten.
  • Nähere Angaben zum "Look-through"-Ansatz und zum Anwendungsbereich von Anlageinstrumenten für PAI-Offenlegungen (Ziffern 12 ff.): Die ESAs stellen fest, dass alle Investitionen, sowohl direkte als auch indirekte, in die Berechnungen einbezogen werden sollten, die als Teil der Berichterstattung über PAI von Investitionsentscheidungen vorzunehmen sind. Diese direkten und indirekten Investitionen sind nach Ansicht der ESAs insbesondere Investitionen in Aktien, Unternehmens- und Staatsanleihen, private Beteiligungen, supranationale Organisationen, Immobilien und Infrastruktur. Bekanntlich sehen die SFDR RTS keine Indikatoren zur Identifizierung der PAIs bei Infrastruktur-Investitionen vor (vgl. dazu auch die BAI Best Practices zur PAI-Erfassung). Als indirekte Investitionen sollen vor allem Investitionen über Zielfonds und Derivate erfasst werden. Die ESAs verweisen darauf, dass bei fehlenden Daten auch eigenes Research oder der Rückgriff auf vertretbare Schätzungen möglich sind.
  • Bei Zweckgesellschaften (special purpose vehicle) einschließlich Holdinggesellschaften (holding companies) kann (muss aber nicht) ein Blick auf die zugrunde liegende Investition erfolgen (look through). Wenn solche Informationen nicht verfügbar sind, kann man sich nach besten Kräften (best efforts) bemühen, die Informationen entweder direkt von den Unternehmen, in die investiert wird, zu erhalten, oder indem man "zusätzliche Nachforschungen anstellt, mit dritten Datenlieferanten oder externen Experten zusammenarbeitet oder angemessene Annahmen trifft" (vgl. Ziffer 14).
  • Klarstellungen zur Offenlegung von direkten und indirekten Investitionen in vorvertraglichen und periodischen Offenlegungen.
  • DNSH-Test bei nachhaltigen Investitionen: Die Ausführungen der ESAs in diesem Abschnitt Ziffern 43 ff.) sind sehr vielschichtig. Sie bestätigen zunächst, dass der DNSH-Test zum einen von der Berücksichtigung der PAIs nach Artikel 4 sowie 7 SFDR und zum anderen von der Prüfung der wesentlichen Schädigung nach der EU-Taxonomie zu unterscheiden ist. Mit Blick auf die letztere Prüfung halten es die ESAs dennoch für wünschenswert, soweit möglich konsistente Maßstäbe zu verwenden. Die Berücksichtigung von PAI für Art. 4 SFDR beinhaltet die Veröffentlichung einer PAI-Erklärung mit berechneten Werten auf der Website. Dies ist nicht die gleiche und separate Anforderung wie die Berücksichtigung von PAI für DNSH-Zwecke. Bei der Berücksichtigung von PAI für DNSH-Zwecke ist die Veröffentlichung einer PAI-Erklärung rechtlich nicht vorgeschrieben, die ESAs schlagen jedoch vor, dass ein Best-Practice-Ansatz darin bestehen könnte, PAI-Werte im Vergleich zu Grenzwerten in regelmäßigen Berichten offenzulegen, um den Nachweis zu erbringen, dass die DNSH-Kriterien erfüllt sind. Nach den Best Practices der ESAs könnten die Auswirkungen der nachhaltigen Investitionen anhand der PAI-Indikatoren aus Anhang I Tabelle 1 und sonstiger relevanter Indikatoren aus Tabelle 2 und 3 mit entsprechenden Wertangaben aufgezeigt werden. Das liefe auf eine Quantifizierung der PAI-Angaben für nachhaltige Investitionen hinaus.
  • Leitlinien zu Indikatoren für nachteilige Auswirkungen, vorvertragliche Angaben zu Finanzprodukten, periodische Angaben zu Finanzprodukten, taxonomiebezogene Angaben zu Finanzprodukten, DNSH-Angaben (siehe vorstehenden Absatz) und Angaben zu Finanzprodukten mit Anlageoptionen.

Sie finden die Clarifications der ESAs unter nachfolgendem Link:

Clarifications

 

zum Inhaltsverzeichnis

to top