3. Sustainable Finance/Taxonomie: ESMA veröffentlicht Final Report zu Artikel 8

ESMA hat am 26. Februar 2021 die finalen Empfehlungen zur Ausgestaltung der Berichtspflichten über den Umfang der Taxonomie-konformen Aktivitäten nach Art. 8 der Taxonomie-Verordnung vorgelegt (Final Report – Advice on Article 8 of the Taxonomy Regulation). Sie betreffen die Berichterstattung durch Fondsgesellschaften und börsennotierte Emittenten außerhalb des Finanzsektors. Parallel haben auch die EIOPA und die EBA Empfehlungen für den jeweils beaufsichtigten Sektor vorgelegt. Der Bericht von EIOPA betrifft die Berichterstattung durch Versicherungsunternehmen, die Empfehlungen der EBA beziehen sich auf die Berichterstattung durch Kreditinstitute und Wertpapierfirmen. Voraussetzung für die Betroffenheit ist jeweils die Anwendbarkeit der EU-Richtlinie für die nicht-finanzielle Berichterstattung (Non-Financial Reporting Directive – NFRD). Fondsgesellschaften sind danach nur erfasst, wenn sie selbst börsennotiert sind und mehr als 500 Mitarbeiter haben. Die NFRD wird derzeit allerdings auch überarbeitet, sodass deren Anwendungsbereich künftig auch Fondsgesellschaften ab 250 Mitarbeitern umfassen dürfte.

Im Bericht von ESMA sind für Fondsgesellschaften folgende wesentliche Änderungen ausgemacht im Vergleich zum Konsultationsdokument von Dezember 2020:

  • Als Hauptindikator für Taxonomie-konforme Investitionen schlägt ESMA einen umsatzbasierten „Key performance indicator“ (KPI) vor. Er ist unter Berücksichtigung aller Investitionen im Rahmen der kollektiven und der individuellen Portfolioverwaltung zu berechnen.
  • Fondsgesellschaften sollen zwar die Investitionen in ökologisch nachhaltige Aktivitäten nach den sechs Umweltzielen der EU-Taxonomie aufschlüsseln, jedoch nicht nach dem Beitrag von einzelnen wirtschaftlichen Aktivitäten unterscheiden. Das stellt eine deutliche Erleichterung gegenüber dem Vorentwurf dar.
  • Zur Schließung der Datenlücken hält ESMA an ihrem Vorschlag einer Schätzmethode fest. Sie soll auf Faktoren für Taxonomie-Konformität beruhen, die für jeden Sektor nach einem einheitlichen Ansatz zentral ermittelt und von einer unabhängigen Stelle dem Markt bereitgestellt werden. ESMA empfiehlt, im ersten Berichtsjahr die Nutzung dieser Schätzmethode umfassend zuzulassen, während in den Folgejahren direkt von Unternehmen berichtete Daten verstärkt zu nutzen und von den Fondsgesellschaften anzufragen sind.

Auch die Berichte von EIOPA und EBA könnten für Fondsgesellschaften relevant sein. So könnte sich auf Grund der Vorschläge zur Berichterstattung über Taxonomie-konforme Investitionen, die auch indirekte Anlagen über Fonds umfassen sollen, die Notwendigkeit zur Ermittlung von Taxonomie-Quoten auch für konventionelle Fonds ergeben, in die Versicherer und ggf. Kreditinstitute investiert sind. Insbesondere Versicherer, aber auch Banken, sind große Investoren in Fonds – im Abschnitt Investorenregulierung finden sich entsprechend auch noch Hinweise auf die Berichte von EIOPA und EBA. Auf Grund der Vorgaben der Taxonomie-Verordnung müssen nur nachhaltige Fonds über den Anteil von ökologisch nachhaltigen Aktivitäten in ihren Portfolien berichten.

Sie finden den Final Report der ESMA unter nachfolgendem Link:

Final Report

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