3. Sustainable Finance/Nachhaltigkeitsberichterstattung: EU-Kommission veröffentlicht Vorschlag

11. Mai 2021

Teil des im ersten Beitrag berichteten Maßnahmenpaketes vom 21. April 2021 bildete auch der Vorschlag für eine Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD), die die bestehenden Berichtspflichten der Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (NFRD) abändert. Insgesamt baut der Vorschlag auf den folgenden Anforderungen auf und überarbeitet diese, nämlich die in der NFRD festgelegten Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung, um die Konsistenz der Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung mit dem breiteren Rechtsrahmen für Sustainable Finance, einschließlich der Offenlegungsverordnung SFDR und der Taxonomie-Verordnung, zu verbessern und die Ziele des europäischen Green Deal widerzuspiegeln. Die CSRD schlägt Änderungen an mehreren bestehenden Gesetzgebungen vor, darunter die Rechnungslegungsrichtlinie, die Transparenzrichtlinie, die Abschlussprüferrichtlinie und die Abschlussprüfungsverordnung. Insgesamt enthält der Vorschlag mehrere wichtige Änderungen, darunter:

  • einen Anwendungsbereich auf alle großen Unternehmen und alle börsennotierten Unternehmen an den geregelten Märkten der EU,
  • detailliertere Berichtspflichten als Teil des Lageberichts der Firma,
  • eine allgemeine EU-weite Bestätigungspflicht,
  • ein verpflichtender EU-Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (der von der European Financial Reporting Advisory Group / EFRAG entwickelt werden soll) und
  • ein harmonisiertes digitales Berichtsformat (XHTML-Format).

Der EU-Standard soll ausdrücklich die Informationsbedürfnisse der Finanzmarktteilnehmer berücksichtigen, die sich aus den Vorgaben der Offenlegungsverordnung und der EU-Taxonomie ergeben, und zur weiteren Angleichung der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf internationaler Ebene beitragen.

Nächste Schritte: Es liegt nun am Europäischen Parlament und den Mitgliedsstaaten im Rat, einen endgültigen Gesetzestext auf der Grundlage des Kommissionsvorschlags auszuhandeln. Parallel dazu wird die EFRAG mit der Arbeit an einem ersten Satz von Entwürfen für Nachhaltigkeitsberichtsstandards beginnen (voraussichtlich Mitte 2022). Die neuen EU-Vorgaben sind bis zum 1. Dezember 2022 von den Mitgliedsstaaten in nationales Recht umzusetzen. Sie sollen erstmals für Unternehmensberichte über Geschäftsjahre Anwendung finden, die ab dem 1. Januar 2023 beginnen. Mit ersten Nachhaltigkeitsberichten entsprechend dem neuen EU-Standard ist damit im Jahr 2024 zu rechnen.

Aus Sicht von Finanzmarktteilnehmern wie KVGen stellt insbesondere der CSRD-Vorschlag einen wichtigen Meilenstein dar; denn erst wenn solche Daten aus der Realwirtschaft vorliegen, werden die Adressaten des Sustainable Finance Package auch selbst in die Lage versetzt, ihrerseits die eigenen Berichtspflichten nach bspw. der Offenlegungsverordnung zu erfüllen. Die Kritik des BAI am Erstentwurf der RTS zur Offenlegungsverordnung (konsultiert bis 1. September 2020) basierte unter anderem darauf, dass Intermediäre verpflichtet werden sollen, Informationen zu erheben und dann Investoren zur Verfügung zu stellen, die auf Unternehmens- und Assetebene noch gar nicht oder nur unvollständig existierten. Der schwarze Peter hätte dann ganz klar, aber zu Unrecht bei der Finanzbranche gelegen. Jetzt muss auch die Realwirtschaft in deutlich größerem Umfang diese Last tragen.

Aus Sicht des BAI schafft die neue Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen hier Abhilfe, und hilft eben auch Intermediären bei der Erfüllung ihrer eigenen Offenlegungspflichten. Zusammen mit der im Februar vorgestellten zweiten und entschlackten Fassung der RTS ist das als deutlicher Fortschritt zu werten, bedeutet aber jetzt aber auch für viele mittelständische Unternehmen, dass sie die Berichtspflichten erfüllen müssen. Der BAI wird nun sein Augenmerk vor allem darauflegen, dass eine möglichst stimmige zeitliche Kongruenz und Abfolge erreicht wird, also Vollendung der Taxonomie auf der ersten Stufe und dann Anwendung der RTS zur Offenlegungsverordnung auf der zweiten Stufe unter klarer Berücksichtigung des Grundsatzes der Proportionalität. Die NFRD erfährt eine deutliche Ausweitung des Anwendungsbereichs (die EU-Kommission erwartet fast eine Verfünffachung auf rund 50.000 betroffener Unternehmen, welche die neuen Standards befolgen müssen).

Sie finden den CSRD-Vorschlag und Q&As dazu unter nachfolgenden Links:

CSRD-Vorschlag

Q&As

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