9. MiFID II: ESMA startet Konsultation zu Markdaten

10. November 2020

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), die Aufsichtsbehörde der EU für die Wertpapiermärkte, hat am 6. November 2020 ein Konsultationspapier (CP) veröffentlicht, in dem sie die Marktteilnehmer um Beiträge zu ihrem Richtlinienentwurf über die MiFID II/MiFIR-Verpflichtungen zu Marktdaten bittet. Die Konsultation endet am 11. Januar 2021. Die ESMA wird die erhaltenen Rückmeldungen berücksichtigen und erwartet die Veröffentlichung des Abschlussberichts und der Richtlinien bis zum 2. Quartal 2021.

Die vorgeschlagenen Richtlinien bauen auf den Bewertungen und Empfehlungen aus einem ESMA-Bericht über Marktdaten aus dem Jahr 2019 auf. Sie enthalten Leitlinien zu der Anforderung, Marktdaten auf einer vernünftigen kommerziellen Basis zu veröffentlichen, sowie zu der Anforderung, Marktdaten 15 Minuten nach der Veröffentlichung kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Die vorgeschlagenen Richtlinien werden eine bessere und einheitliche Anwendung der MiFID II/MiFIR-Verpflichtungen zu Marktdaten gewährleisten. Darüber hinaus ist die ESMA auch der Ansicht, dass ihre Umsetzung eine konsistente, effiziente und wirksame Aufsichtspraxis unterstützt.

Am 5. Dezember 2019 veröffentlichte die ESMA den MiFID II/MiFIR-Bericht über die Entwicklung der Preise für vor- und nachbörsliche Daten und das konsolidierte Band für Aktieninstrumente (im Folgenden als "Bericht über Marktdaten" bezeichnet).

In diesem Bericht legte die ESMA u.a. ihre Bewertung und Empfehlungen zur Entwicklung der Preise für Marktdaten und zur Anwendung der wichtigsten MiFID II/MiFIR-Bestimmungen vor, die darauf abzielen, die Kosten für Marktdaten zu senken: die Anforderung, Marktdaten auf einer angemessenen kommerziellen Basis zu veröffentlichen (RCB), die Anforderung, Marktdaten in einem disaggregierten Format bereitzustellen, und die Anforderung, Marktdaten 15 Minuten nach der Veröffentlichung kostenlos zur Verfügung zu stellen. In dem Bericht gab die ESMA einige Empfehlungen an die Europäische Kommission zu möglichen Änderungen der Bestimmungen der Stufe 1 ab und verpflichtete sich auch, aufsichtsrechtliche Leitlinien im Bereich der Marktdaten zu entwickeln. Die ESMA hat diese Leitlinien nun in Form von Guidelines verfasst.

Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission hat die Nachfrage nach und die Vorteile sowie die Architektur von europaweit konsolidierten Finanzmarktdaten (Consolidated Tape) analysiert. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine große Nachfrage nach konsolidierten Daten besteht, die für die Marktteilnehmer (z.B. Investoren, Emittenten und Aufsichtsbehörden) von erheblichem Nutzen wären. Derzeit stehen rechtliche, organisatorische und wirtschaftliche Hürden einer Konsolidierung von Finanzmarktdaten (z.B. Wertpapierkurse) im Weg. Die Studienautoren schlagen vor, ausschließlich einen von der ESMA beaufsichtigten Anbieter solcher Daten zu bestimmen. Die Vorteile der Erstellung konsolidierter Daten würden die Umsetzungskosten der organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen, die für deren Bereitstellung erforderlich sind, überwiegen. Die Studienautoren empfehlen daher, dass die EU-Kommission ihre Befugnis zur Schaffung eines europaweiten Consolidated Tape als Grundversorgung für Kursdaten in Europa wahrnimmt.

Informationen zur ESMA-Konsultation finden Sie unter nachfolgendem Link:

Konsultationspapier

Die Studie der EU-Kommission finden Sie unter nachfolgendem Link:

Studie

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