16. Sustainable Finance/ESG: Internationale Initiativen zum ESG-Reporting durch Unternehmen

11. November 2020

Eine Gruppe führender Organisationen für Nachhaltigkeit und integrierte Berichterstattung – darunter das Carbon Disclosure Project (CDP), das Climate Disclosure Standard Board (CDSB), die Global Reporting Initiative (GRI), das International Integrated Reporting Council (IIRC) und das Sustainability Accounting Board (SASB) – mithin die führenden Standardsetzer der nicht-finanziellen Berichterstattung also, haben sich verpflichtet, bei der Harmonisierung von Nachhaltigkeitsstandards zusammenzuarbeiten. In dem Dokument, das am 11. September 2020 veröffentlicht wurde, verpflichten sich die Organisationen, zusammenzuarbeiten, indem sie gemeinsame Marktanleitungen zu Nachhaltigkeitsstandards bereitstellen und gleichzeitig eine gemeinsame Vision darüber entwickeln, wie solche Standards die allgemein anerkannten Finanzprinzipien ergänzen könnten. Dies haben die Beteiligten in einem Schreiben an IOSCO angekündigt.

Hintergrund

Eine Reihe von Initiativen hat im vergangenen Jahr den Fortschritt in Richtung eines umfassenden ESG-Berichtssystems (Environmental, Social, and Governance) für Unternehmen beschleunigt. Insbesondere haben Regulierungsbehörden und politische Entscheidungsträger ein wachsendes Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang zwischen finanziellen Risiken und ESG-bezogenen Anliegen gezeigt. Jüngste Beispiele für Initiativen in diesem Bereich sind

  • November 2019: Der Financial Reporting Council veröffentlichte den UK Stewardship Code 2020, der Standards für institutionelle Anleger in Großbritannien festlegt, die sie bei ihren Investitionen anwenden sollen.
  • Januar 2020: Die Europäische Kommission kündigte ihren Vorschlag an, nichtfinanzielle Berichterstattungsstandards zu entwickeln, die international anerkannte Standards berücksichtigen.
  • Juli 2020: Die EU-Verordnung über die Schaffung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen (die Taxonomie-Verordnung) tritt in Kraft.
  • April 2020: In einem Bericht erkannte die International Organisation of Securities Commissions (IOSCO) an, dass nur durch das gemeinsame Verständnis von Finanz- und Nachhaltigkeitsinformationen Investoren und Regierungen den notwendigen Einblick in die Unternehmensleistung erhalten können.

Investoren haben sich auch darüber beklagt, dass die Verbreitung von ESG-Standards und das Fehlen eines standardisierten Ansatzes für die Berichterstattung die Erstellung von Vergleichen zwischen Unternehmen erschweren.

Wie in dem Dokument betont wird, ist die Notwendigkeit, die Nachhaltigkeitsstandards zu straffen, aus verschiedenen Gründen zu einem dringenden Thema geworden. Insbesondere scheint es eine Korrelation zwischen bestimmten Arten der Nachhaltigkeitsleistung und den Triebkräften der Wertschöpfung von Unternehmen zu geben. Infolgedessen wollen sowohl Unternehmen als auch Kapitalgeber nachhaltigkeitsbezogene Risiken besser verstehen, um einen genaueren Überblick über die Stabilität und Effizienz der Finanzmärkte zu erhalten.

Gegenwärtig verwenden Unternehmen zwei Wesentlichkeitskonzepte für die Offenlegung der Nachhaltigkeit:

  • Die Nachhaltigkeitsberichterstattung bezieht sich auf die Themen, die aufgrund der signifikanten Auswirkungen der Organisation in diesem Bereich für die Offenlegung wesentlich sind.
  • Das Unternehmen grenzt die Teilmenge der Nachhaltigkeitsthemen ab, die für die Wertschöpfung des Unternehmens wesentlich sind.

In diesem Zusammenhang würden Unternehmen von Informationen profitieren, die "über Zeiträume hinweg konsistent, über Unternehmen und Standorte hinweg vergleichbar und verlässlich sind (d.h. sie werden vorbehaltlich strenger Systeme der internen Kontrolle, Leitung und Überwachung durch den Vorstand erstellt und sind verlässlich)". Das Dokument befürwortet die Schaffung eines solchen umfassenden Referenzsystems.

Erklärtes Ziel der Organisationen ist es, Standards zu entwickeln, die den gleichen Reifegrad erreichen wie das Ökosystem der Finanzberichterstattung. In dieser Hinsicht bezeichnet das Dokument die kollektive Beteiligung und transparente Due-Processes als entscheidend für die Festlegung der Standards. Sobald die Standards einmal festgelegt sind, ist auch eine kontinuierliche Pflege und Weiterentwicklung notwendig, um sicherzustellen, dass alle Interessengruppen weiterhin mit dem Inhalt der Standards einverstanden sind. Eine solche Festlegung von Standards kann dem Dokument zufolge durch zwei unterschiedliche Prozesse erreicht werden, die beide als gleichermaßen geeignet angesehen werden:

  • Die Nutzung von Konsultationen mit mehreren Interessengruppen, um einen weltweit vereinbarten Satz von Nachhaltigkeitsthemen und die damit verbundenen Offenlegungsanforderungen festzulegen.
  • Die Anerkennung der Tatsache, dass das Hauptziel eines bestimmten Anwenders die wirtschaftliche Entscheidungsfindung ist, indem aus dem vereinbarten Satz von Nachhaltigkeitsthemen diejenigen herausgefiltert werden, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf die finanzielle Lage oder das Risikoprofil eines Unternehmens auswirken werden.

Das Dokument betont auch, dass Offenlegungsstandards im Bereich der Nachhaltigkeit Standards umfassen müssen, die den Bedürfnissen einer Vielzahl von Nutzern gerecht werden, da Organisationen einem breiten Spektrum von Interessengruppen gegenüber rechenschaftspflichtig sind. Ebenso wichtig ist, dass die Nachhaltigkeitsinformationen nach vereinbarten Taxonomien strukturiert und digital verfügbar sein sollten.

Das Dokument bekräftigt die Verpflichtung der Organisationen, mit verschiedenen Interessengruppen im gesamten Ökosystem zusammenzuarbeiten, darunter Unternehmen, Investoren, Regierungen und die Zivilgesellschaft. Ob solche Ambitionen verwirklicht werden können, bleibt abzuwarten.

Das Berichtswesen soll im Rahmen der internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) umgesetzt werden, um weltweit Akzeptanz zu finden. Weitere Details zu der geplanten Zusammenarbeit finden sich in der Absichtserklärung. Die IFRS Foundation hat ihre Rolle bei der Entwicklung internationaler Standards für die nicht-finanzielle Berichterstattung ihrerseits in einem Konsultationspapier zur Diskussion gestellt.

Unklar ist, welchen Einfluss dieser Vorstoß auf die geplante Entwicklung eines europäischen Standards für die nicht-finanzielle Berichterstattung haben wird. Das europäische Beratungsgremium EFRAG (European Financial Reporting Advisory Group) hat erst kürzlich im Auftrag der EU-Kommission mit den entsprechenden Vorarbeiten begonnen.

Weitere Informationen finden Sie unter den nachfolgenden Links:

Schreiben an IOSCO

Absichtserklärung

Konsultationspapier IFRS

Seite der EFRAG

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