7. Sustainable Finance/CSRD: Vorläufige Einigung zwischen Rat und EU-Parlament

Der Rat und das Europäische Parlament haben am 21. Juni 2022 eine vorläufige Einigung über die Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive – CSRD) erzielt. Dies erfolgte während des vierten politischen Trilogs. Zur Erinnerung: Die CSRD ändert die derzeitige Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (Non-Financial Reporting Directive – NFRD). Mit der neuen Richtlinie werden spezifischere Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung (z. B. Umwelt-, Sozial-, Menschenrechts- und Governance-Faktoren) sowie Zuverlässigkeitsanforderungen für eine wesentlich größere Gruppe von in der EU tätigen Unternehmen eingeführt.

Mit dem Richtlinienvorschlag sollen bestehende Lücken für die Angaben nichtfinanzieller Informationen in der Gesetzgebung geschlossen werden, damit Anleger Nachhaltigkeitskriterien besser berücksichtigen können. Dadurch soll der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft erleichtert werden.

Es sollen Berichterstattungspflichten präzisiert werden und große Unternehmen dazu verpflichtet werden, Informationen zu Nachhaltigkeitsfragen, wie z.B. Umwelt- und Menschenrechten, sozialen Rechten sowie Governance-Faktoren, offenzulegen.

In dem Richtlinienvorschlag ist vorgesehen, dass diese Informationen in einem gesonderten Abschnitt des Lageberichts zu veröffentlichen sind, wodurch deren Zugänglichkeit verbessert werden soll. Die Europäische Beratergruppe für Rechnungslegung (EFRAG) soll diesbezüglich einen europaweiten Standard festlegen (siehe dazu den nachstehenden Beitrag in dieser Infomail).

Der Anwendungsbereich der Richtlinie wird alle Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten, alle großen Unternehmen und alle an einem geregelten Markt notierten Unternehmen erfassen. Außerdem sollen diese Unternehmen dazu verpflichtet sein, diese Informationen für etwaige Tochterunternehmen zu evaluieren. Gemäß dem Vorschlag gelten diese Regelungen auch für KMU, wobei diese bis 2028 eine Ausnahmeregelung geltend machen können, sofern sie eine Erklärung für das Fehlen eines Nachhaltigkeitsberichts vorlegen.

Auch für außereuropäische Unternehmen soll die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung gelten, wobei allerdings insbesondere folgende Unterschiede bestehen:

  • Der Schwellenwert für Unternehmen, die in den Anwendungsbereich fallen, beträgt 150 Mio. € an Nettoumsatzerlösen in der EU;
  • der Inhalt des Berichts beschränkt sich auf die sozialen Auswirkungen und die Umweltauswirkungen des Unternehmens;
  • wenn ein Unternehmen aus einem Drittland mehrere Tochterunternehmen oder Zweigniederlassungen in der EU hat, ist der Bericht von nur einem Tochterunternehmen vorzulegen;
  • gegenüber dem für europäische Unternehmen derzeit geltenden System sind Erleichterungen bei der Überwachung, Umsetzung und Sanktionierung vorgesehen.

Ob die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen den europäischen Prüfungsstandards entspricht, soll ein Prüfer feststellen. Der Prüfbericht soll anschließend dem Nachhaltigkeitsbericht beigefügt werden.

Die CSRD soll in drei Stufen in Kraft treten:

  • am 1. Januar 2024 für Unternehmen, die bereits der Richtlinie über die Angabe nichtfinanzieller Informationen unterliegen;
  • am 1. Januar 2025 für große Unternehmen, die derzeit nicht der Richtlinie über die Angabe nichtfinanzieller Informationen unterliegen;
  • am 1. Januar 2026 für börsennotierte KMU sowie kleine und nicht komplexe Kreditinstitute und firmeneigene Versicherungsunternehmen.

Die vorläufige Einigung muss nun von beiden Mitgesetzgebern genehmigt werden, bevor sie im Amtsblatt veröffentlicht werden kann. Die Richtlinie wird dann nach 20 Tagen in Kraft treten.

Die Pressemitteilung zur vorläufigen Einigung finden Sie hier:

Pressemitteilung

Sie finden den General Approach (Standpunkt des EU-Rates) unter nachfolgendem Link:

General Approach

Den Richtlinienentwurf von April 2021 finden Sie nochmals hier:

CSRD

 

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