4. Sustainable Finance/ESG: Bericht über Call for Evidence zu ESG-Rating-Providern

Die Europäische Markt- und Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) hat am 26. Juni 2022 die Ergebnisse ihrer Aufforderung zur Stellungnahme (sog. Call for Evidence) zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Ratings (ESG-Ratings) veröffentlicht und gibt hierüber einen Überblick.

Zur Erinnerung: Die ESMA hatte die Aufforderung zur Einreichung von Belegen im Februar 2022 veröffentlicht, um Informationen über die Marktstruktur für ESG-Ratinganbieter in der Europäischen Union zu sammeln. Die Behörde erhielt 154 Antworten. In Anbetracht der eingegangenen Rückmeldungen stellt die ESMA fest, dass der Markt für ESG-Rating- und Datenanbieter wächst und seine Struktur durch eine große Anzahl kleiner EU-Unternehmen und großer Nicht-EU-Unternehmen gekennzeichnet ist. Schließlich hofft die ESMA, dass die Europäische Kommission ihren Beitrag als wertvoll für mögliche regulatorische Schutzmaßnahmen für ESG-Ratingprodukte erachtet.

Die ESMA kommt zu dem Schluss, dass die Rückmeldungen darauf hindeuten, dass es sich bei dem Markt für ESG-Ratings und -Datenanbieter um einen "unreifen, aber wachsenden Markt" handelt, auf dem "eine kleine Anzahl großer Anbieter mit Hauptsitz außerhalb der EU entstanden ist", und dass der Markt demjenigen ähnelt, der derzeit für Kreditratings existiert. In dem Schreiben heißt es außerdem, dass es derzeit 59 aktive ESG-Ratinganbieter in der EU gibt.

Die ESMA kommt unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

  • Die derzeitige Struktur der Anbieter auf dem Markt ist zwischen einer kleinen Anzahl sehr großer Nicht-EU-Unternehmen auf der einen Seite und einer großen Anzahl sehr viel kleinerer EU-Unternehmen auf der anderen Seite aufgeteilt. Verallgemeinernd kann man sagen, dass die EU-Unternehmen, die ESG-Ratings abgeben, als kleine oder mittlere Unternehmen zu bezeichnen sind.
  • Die Mehrheit der Nutzer von ESG-Ratings bezieht diese Produkte in der Regel von mehreren Anbietern gleichzeitig. Wie bereits erwähnt, gibt es eine kleine Anzahl großer Anbieter von ESG-Ratings, und die Mehrheit der Nutzer von ESG-Ratings nimmt deren Dienste in Anspruch. Dies deutet auf einen nicht unerheblichen Konzentrationsgrad auf dem Markt hin.
  • In den Antworten auf die Aufforderung zur Einreichung von Belegen wurde festgestellt, dass die mangelnde Abdeckung der Branche, der Art des Unternehmens und der Granularität der Daten einen "grundlegenden Einfluss" auf die Nutzbarkeit und Relevanz von ESG-Ratings hat.
  • Darüber hinaus wiesen die Befragten auf Bedenken hinsichtlich des derzeitigen Systems zur Bewertung der betroffenen Unternehmen und ihrer Interaktion mit den Anbietern von ESG-Ratings hin. Zu den Unzulänglichkeiten, die bei diesen Interaktionen hervorgehoben wurden, gehörten der Grad der Transparenz in Bezug auf die Grundlage für das Rating, den Zeitpunkt der Rückmeldung oder die Korrektur von Fehlern.

Die ESMA hat erklärt, dass sie die EU-Kommission weiterhin bei ihrer Einschätzung der Notwendigkeit der Einführung von "regulatorischen Schutzmaßnahmen für ESG-Ratings" unterstützen wird. Ausgehend von dieser Entwicklung scheint es wahrscheinlich, dass die Anbieter von ESG-Ratings, die in der EU verwendet werden, in naher Zukunft in den Anwendungsbereich der EU-Finanzregulierung fallen werden. Es ist also zu erwarten, dass der ESMA-Bericht Grundlage bieten wird für eine EU-weite Regulierung von ESG-Rating-Providern.

Das Ergebnis der ESMA Aufforderung finden Sie unter nachfolgendem Link:

Stellungnahme

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