11. Liquiditätsmanagement: ESMA veröffentlicht Bericht zu Corporate Debt und Real Estate Assets

15. Dezember 2020

ESMA hat am 12. November 2020 einen Bericht über die Vorbereitung von Investmentfonds mit erheblichen Engagements in Unternehmensschulden und Immobilienvermögen auf mögliche zukünftige negative Liquiditäts- und Bewertungsschocks veröffentlicht (preparedness of investment funds with significant exposures to corporate debt and real estate assets for potential future adverse liquidity and valuation shocks).

Der Bericht nennt fünf vorrangige Aktionsbereiche, die ihrer Meinung nach die Bereitschaft dieser Fondskategorien verbessern würden: (i) laufende Überwachung der Ausrichtung der Anlagestrategie, des Liquiditätsprofils und der Rücknahmepolitik des Fonds; (ii) laufende Überwachung der Bewertung des Liquiditätsrisikos; (iii) Berichterstattung über das Liquiditätsprofil des Fonds; (iv) Erhöhung der Verfügbarkeit und des Einsatzes von Liquiditätsmanagement-Instrumenten; und (v) Überwachung der Bewertungsprozesse in einem Kontext der Bewertungsunsicherheit. Der Bericht von ESMA ist eine Reaktion auf die Empfehlung des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (European Systemic Risk Board), als Reaktion auf die ersten Auswirkungen des Covid-19-Ausbruchs auf die Märkte mit den zuständigen nationalen Behörden eine konzentrierte Aufsicht über Investmentfonds zu koordinieren, die in erheblichem Maße mit Unternehmensschulden und Immobilienvermögen belastet sind.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Corona-Krise sind: Die von ESMA untersuchten Fonds konnten ihre Aktivitäten insgesamt angemessen aufrechterhalten, wenn sie unter Rückzahlungsdruck standen und/oder mit Bewertungsunsicherheiten konfrontiert waren. Nur wenige Fonds in der EU setzten vorübergehend die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen aus.

Der Bericht weist aber auch auf Mängel hin. Sie sind zu beheben, um diese Fonds besser auf künftige Marktturbulenzen vorzubereiten. Insbesondere seien die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren, da sich der mit der Corona-Krise verbundene Liquiditätsschock auf einen kurzen Zeitraum im Frühjahr 2020 beschränkte. Zudem habe es bedeutende Maßnahmen von Regierungen und Zentralbanken gegeben, die die Märkte unterstützten. Darüber hinaus wiesen einige Fonds aufgrund ihrer verfügbaren Mittel potenzielle Liquiditätsinkongruenzen auf, die behoben werden sollten. Dies gilt insbesondere für Fonds, die in Anlageklassen investieren, die von Natur aus illiquide sind und gleichzeitig eine Kombination aus hoher Rückzahlungsfrequenz und kurzen Kündigungsfristen bieten. Ebenso weist ESMA darauf hin, dass etwaige Bedenken bei der Bewertung von einzelnen Vermögenswerten (insbesondere bei Immobilienfonds) offensichtlich geworden sind und die Krise länger größere Auswirkungen haben könnte. Vor diesem Hintergrund sollten Fondsmanager ihre Sensibilität für mögliche negative Schocks erhöhen, die zu einer Verschlechterung der Finanzmarktliquidität und Bewertungsunsicherheit führen könnten. ESMA sieht hierfür insbesondere Maßnahmen vor, die auf eine laufende Überwachung der Liquiditätsrisiken im Einklang mit der Anlagestrategie und den Rücknahmebedingungen, eine bessere Berichterstattung über das Liquiditätsprofil der Fonds, eine Erhöhung der Verfügbarkeit und Nutzung von Liquiditätsmanagementinstrumenten und auf eine Überwachung von Bewertungsprozessen in einem Kontext der Bewertungsunsicherheit abzielen.

Der ESMA-Report ist auch vor dem Hintergrund des laufenden AIFMD-Reviews von Interesse, weil Liquiditätsrisiken und entsprechende Tools zum Liquiditätsmanagement von Aufsichtsbehörden immer wieder adressiert werden.

Sie finden den ESMA-Bericht unter nachfolgendem Link:

ESMA-Report

Die Empfehlungen des ESRB finden Sie unter nachfolgendem Link:

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