6. Sustainable Finance/Offenlegungsverordnung/ESG: Rede von ESMA-Exekutivdirektoren Ross

15. Dezember 2020

ESMA-Exekutivdirektorin Verena Ross hat am 19. November 2020 am AIMA Global Policy & Regulatory Forum eine Rede gehalten. Wenngleich damit keine Verlautbarung mit offiziellem Charakter verbunden ist, sind die Äußerungen durchaus aufschlussreich im Hinblick auf laufende gesetzgeberische Vorhaben. Die Rede konzentriert sich auf zwei Schlüsselthemen für den Asset-Management-Branche: Auslagerung im Hinblick auf das Ende der Brexit-Übergangsperiode, gerade vor dem Hintergrund des laufenden AIFMD-Review, und Sustainable Finance.

Zu den in der Rede behandelten Themen gehören

  • Der Review der AIFMD durch die Europäische Kommission, wobei der Schwerpunkt auf der Notwendigkeit liege, die erhöhte operative Komplexität und die aufsichtsrechtlichen Risiken zu erkennen, die mit groß angelegten Auslagerungsstrukturen einhergingen. In einem Brief an die Europäische Kommission im August 2020 ging die ESMA auf die Frage der Delegation und ihre Überzeugung ein, dass alle AIFs unabhängig von Status oder Standort einheitlichen aufsichtsrechtlichen Standards unterliegen sollten, insbesondere im Falle der Delegation an Nicht-EU-Unternehmen, die möglicherweise unterschiedlichen aufsichtsrechtlichen Standards unterliegen.
  • Die Notwendigkeit, eine stärkere Angleichung zwischen den AIFMD-Regeln und den Regeln des OGAW-Rahmens zu gewährleisten, um den Anlegerschutz zu verbessern und die betriebliche und rechtliche Komplexität zu reduzieren.
  • In Bezug auf die Arbeit von ESMA im Bereich Sustainable Finance sind zahlreiche Antworten – auch vom BAI – zu den Entwürfen technischer Standards (RTS) zu Offenlegungen im Rahmen der SFDR sowie zu ihrer Umfrage über Produktvorlagen eingegangen, also zu den Level-II-Maßnahmen zur SFDR. ESMA wird die technischen Standards überarbeiten, um Rückmeldungen, insbesondere zur Datenverfügbarkeit, zu berücksichtigen. Die ESMA versucht, eine Reihe von Offenlegungen zu schaffen, die sehr unterschiedliche Arten von Produkten abdecken und in verschiedene zugrunde liegende Offenlegungsdokumente aufgenommen werden sollen. Der Abschlussbericht (Final Report) der ESAs ist bis Ende Januar 2021 fällig. Das Anwendungsdatum der technischen Standards im Rahmen der Offenlegungsverordnung wird sich entsprechend bekanntlich und wie in der letzten BAI Infomail mitgeteilt verzögern, aber die sich aus der Stufe 1-Verordnung ergebenden Verpflichtungen müssen nach dem ursprünglichen Zeitplan ab dem 10. März 2021 angewandt werden. Die rechtzeitige Anwendung der Stufe-1-Verordnung ist aufgrund der Dringlichkeit der Offenlegung des Klimawandels im Finanzsektor aus Sicht von ESMA notwendig. ESMA ist sich der operativen Herausforderungen bewusst, die sich aus der Anwendung der Bestimmungen ergeben, ohne dass die begleitenden technischen Standards vollständig eingeführt sind. ESMA hofft, in Kürze über das genaue Datum der Anwendung der technischen Standards und über die Erwartungen der Aufsichtsbehörden in der "Zwischenzeit" kommunizieren zu können.
  • Die ESAs (ESMA, EBA und EIOPA) streben auch an, im Januar 2021 ein Konsultationspapier über zusätzliche taxonomierelevante Produktoffenlegungen im Rahmen der Taxonomieverordnung zu veröffentlichen. Dieses Konsultationspapier wird Rückmeldungen zu vorgeschlagenen Transparenzregeln darüber einholen, wie taxonomierelevante Produkte ihre taxonomische Ausrichtung offenlegen müssen.

Für weitere Informationen finden Sie hier eine Kopie der Rede:

Manuskript der Rede von Verena Ross

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