5. ESG: Interimsstudie der EU-Kommission zur Integration von ESG-Faktoren ins Bankaufsichtsrecht

15. Dezember 2020

Die EU-Kommission hat am 14. Dezember 2020 eine von BlackRock erstellte Zwischenstudie zur Entwicklung von Instrumenten und Mechanismen für die Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) in den EU-Bankenaufsichtsrahmen und in die Geschäftsstrategien und Investitionspolitik der Banken veröffentlicht.

  • Die Studie bietet einen ersten Überblick über mögliche Regelungen, Prozesse, Mechanismen und Strategien, die von EU-Banken zur Erfassung, Bewertung und Steuerung von ESG-Risiken umgesetzt werden sollten, über Mechanismen für die Integration von ESG-Risiken (mit besonderem Schwerpunkt auf Umweltrisiken) in die EU-Aufsicht sowie über Hindernisse für die Entwicklung eines gut funktionierenden EU-Marktes für grüne Finanzierungen und für verantwortungsbewusste Investitionen sowie über geeignete Instrumente und Strategien zur Förderung der Ausweitung grüner Finanzierungen.
  • Die Zwischenstudie liefert somit erste Bereiche, die von den Studienteilnehmern hervorgehoben wurden und die als Schwerpunktbereiche für die Identifizierung von Schlüsselprinzipien dienen könnten und die im weiteren Verlauf der Studie weiter analysiert und erweitert werden sollen.

Das allgemeine Ziel der Studie ist es, die Integration von ESG-Berücksichtigung in die EU-Aufsicht sowie in die Risikomanagementprozesse, Geschäftsstrategien und Anlagepolitik der Banken zu untersuchen. Zu diesem Zweck hat die Kommission drei spezifische Ziele der Studie definiert, an welchen sich dann auch der Aufbau der umfangreichen (über 200 Seiten) Studie orientiert:

    • Ziel 1: Identifizierung der Modalitäten für die Integration von ESG-Risiken in die Risikomanagementprozesse von EU-Banken (Kapitel 4 mit den Themen Definition und Identifizierung von ESG-Risiken, ESG-Risikogovernance und -strategie, ESG-Risikomanagement und -tools, ESG Risikoreporting und Veröffentlichung)
    • Ziel 2: Identifizierung der Modalitäten für die Integration von ESG-Risiken in die prudentielle EU-Aufsicht (Kapitel 3 mit u.a. dem Assessment von ESG-Risiken durch Aufsichtsbehörden und Voraussetzungen, Leitlinien und Initiativen)
    • Ziel 3: Identifizierung der Modalitäten für die Integration von ESG-Zielen in die Geschäftsstrategien und Anlagepolitik von EU-Banken (Kapitel 6 mit Themen wie ESG-Finanzprodukten, -Dienstleistungen und -Märkte, Strategien, ESG-Messung und -Veröffentlichung, Portfoliosteuerung etc.).

Die Studie bietet durchaus aufschlussreiche Erkenntnisse und ist insgesamt eine Fundgrube. Die Zwischenbefunde decken sich mit den Erfahrungen auch der Fondsbranche, wie nachfolgende Beispiele/Ergebnisse zeigen:

  • Die meisten Banken geben an, dass sie nicht über eine klare und granulare Definition von ESG-Risiken verfügen, d.h. eine Zuordnung der zugrundeliegenden ESG-Themen für jede Säule und deren Relevanz als Risikotreiber, basierend auf spezifischen Sektoren, Geografien, Kundensegmenten und Produkten. Zivilgesellschaftliche Organisationen und internationale Initiativen wurden als wichtige Treiber für die Definition von ESG-Themen genannt und lieferten Input zu den wichtigsten Fokusbereichen. ESG-Risiken, die in den Risikomanagement-Rahmenwerken der Banken enthalten sind, werden tendenziell einzeln über die E-, S- und G-Säulen analysiert, anstatt unter einem ESG-"Dach" zusammengefasst zu werden, und können von Bank zu Bank variieren. Das Klimarisiko (einschließlich des physischen Risikos und des Transformationsrisikos) ist derzeit ein zentrales Thema für die meisten Institute, insbesondere für G-SIBs.
  • Die analysierten Banken tendieren dazu, eine Mischung aus internen Kundendaten und extern bezogenen Daten zur Bewertung von ESG-Risiken zu verwenden. Die Befragten halten die Menge an Informationen, die von den Kunden zur Verfügung gestellt werden, oft für unzureichend für die Messung der Exposition gegenüber ESG-Risiken, insbesondere für das Klimarisiko, und heben Daten als eine zentrale Herausforderung hervor. Dies ist insbesondere auf Probleme bei der Datenverfügbarkeit für bestimmte Kundensegmente (z. B. KMU) sowie auf Bedenken hinsichtlich der Vergleichbarkeit und Zuverlässigkeit der Daten zurückzuführen. Bedenken hinsichtlich der Datenverfügbarkeit wurden auch im Zusammenhang mit der Anwendung der EU-Taxonomie auf das Kreditbuch genannt.
  • Die Mehrheit der befragten Banken hat ESG-Risiken noch nicht in ihr internes Risikoberichtswesen integriert. In Bezug auf die Offenlegung sind ESG-Risikoinformationen in der Regel in die breitere ESG-Offenlegungspraxis der Banken eingebunden und werden durch nationale und EU-weite gesetzliche Anforderungen wie die Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (NFRD) beeinflusst. Die Tiefe dieser Offenlegungen variiert, und die Informationen über die Exposition gegenüber ESG-Risiken sind tendenziell qualitativer Natur und entsprechen nicht den internationalen Standards wie TCFD. Einige Befragte planen, ihre ESG-Risiko-bezogenen Angaben zu verbessern und sie sowohl an freiwilligen Offenlegungsstandards (z. B. TCFD für Klimafragen) als auch an regulatorischen Richtlinien auszurichten. Die Befragten erwähnten auch die Absicht, mehr quantitative risikobezogene Metriken zu entwickeln, für die ein weiterer Bedarf an Standardisierung gesehen wird. In dieser Hinsicht wurde die Aktualisierung der NFRD von den Banken als potenzieller Anreiz genannt, da sie die Berichtspflichten für Unternehmen verbessern und Lücken in der Datenverfügbarkeit schließen könnte. Die Notwendigkeit, die Offenlegung von ESG-Risiken zu verbessern und zu standardisieren, wird von allen Stakeholder-Gruppen genannt, wobei zivilgesellschaftliche Organisationen die relativ langsame Übernahme internationaler Standards durch die Banken betonten. So ist beispielsweise fünf Jahre nach dem Start der TCFD die Umsetzung der Offenlegungsstandards bei vielen Banken immer noch nicht abgeschlossen, insbesondere in Bezug auf Kennzahlen und Ziele.

Sie finden die Interimsstudie unter nachfolgendem Link:

INTERIM STUDY – Development of tools and mechanisms for the integration of environmental, social and governance (ESG) factors into the EU banking prudential framework and into banks' business strategies and investment policies

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