2. Sustainable Finance/ESG/CRD/CRR: Leitfaden der EZB zu Klimarisiken

Die Ziele des Klimaaktionsplans der Europäischen Kommission sind die Neuausrichtung der Kapitalströme auf nachhaltige Investitionen, das Management finanzieller Risiken, die sich aus dem Klimawandel und der Erschöpfung von Ressourcen ergeben, sowie die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit. Der EU Green Deal versucht, die Neuausrichtung des Kapitals durch die Veröffentlichung der EU-Taxonomie, der Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzdaten (SFRD) und anderer Schritte zu unterstützen.

Auf der anderen Seite sind Institutionen in ihren bestehenden Portfolios, Investitionen und neuen Kreditaktivitäten Klimarisiken ausgesetzt. Diese Risiken müssen bewertet, gemanagt und gemildert werden, damit die Institute ihre Geschäftsstrategie und ihre Governance-Systeme neu ausrichten können, um klimabezogene und ökologische Risiken zu berücksichtigen.

Die EZB hat kürzlich ihre aufsichtlichen Erwartungen an Institute in Bezug auf klima- und umweltbedingte Risiken (Leitfaden) im Rahmen ihres bestehenden Mandats gemäß der Eigenkapitalrichtlinie (CRD) und der Eigenkapitalverordnung (CRR) dargelegt. Die CRD und die CRR erlegen Instituten bestimmte Governance-Verpflichtungen auf, einschließlich der Anforderung, interne Governance-Regelungen, -Prozesse und -Mechanismen zu implementieren, um eine effektive und umsichtige Führung eines Instituts sicherzustellen. Der Leitfaden beschreibt, wie Institute klimabezogene Risiken bei der Formulierung ihrer Geschäftsstrategie und ihrer Governance- und Risikomanagement-Rahmenwerke berücksichtigen sollten.

Klima- und umweltbezogene Risiken werden getrieben durch:

  • physisches Risiko, d.h. die finanziellen Auswirkungen des sich ändernden Klimas, wie z.B. Sachschäden oder Unterbrechungen von Lieferketten durch extreme Wetterereignisse;
  • Übergangsrisiko, d.h. der finanzielle Verlust, der durch die Anpassung an eine kohlenstoffärmere und ökologisch nachhaltige Wirtschaft entstehen kann.

In Anbetracht der Tatsache, dass die EZB das zweite Jahr in Folge klimabezogene Risiken als Hauptrisikotreiber in der SSM-Risikokarte für das Bankensystem der Eurozone identifiziert hat, hat die EZB ihre aufsichtlichen Erwartungen für klimabezogene und umweltbezogene Risiken ("Klimarisiken") im kurz- bis mittelfristigen (3-5 Jahre) und langfristigen (5 Jahre +) Bereich angesprochen. Damit soll das typische Missverhältnis zwischen der Kurzfristigkeit der Finanzmärkte und dem längeren Zeithorizont, in dem sich Klimarisiken materialisieren, vermieden werden, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. In dem Leitfaden untersucht die EZB die Steuerung und das Risikomanagement von Klimarisiken durch Institutionen in einer Reihe von Geschäftsbereichen einer Institution:

  • Geschäftsumfeld
  • Geschäftsstrategie
  • Steuerung
  • Risikoappetit
  • Organisatorische Struktur
  • Berichtswesen
  • Risikosteuerung
  • Kreditrisikomanagement
  • Operatives Risikomanagement
  • Marktrisikomanagement
  • Szenarioanalyse und Stresstests
  • Liquiditätsrisikomanagement.

Der Leitfaden geht speziell auf die Kreditvergabe im Hinblick auf Klimarisiken ein und nennt u. a. die folgenden Punkte, die zu beachten sind:

  • Angemessene Klimarisiko-Due-Diligence, die zu Beginn einer Kundenbeziehung und fortlaufend durchgeführt werden muss. Institute müssen sich der Auswirkungen auf und der Anfälligkeit für Klimarisiken ihrer Kunden bewusst sein und ihren Ansatz zum Management von Auswirkungen und Risiken kennen.
  • Die Auswirkungen des Klimarisikos auf die Kapitalausstattung der Institute sollten bewertet werden.
  • Berücksichtigung von Klimarisiken in allen relevanten Phasen des Kreditvergabeprozesses und Überwachung der Risiken in den Portfolios sowie in den Kreditrisikorichtlinien und -verfahren.
  • Bildung einer expliziten Meinung darüber, wie sich Klimarisiken auf das Ausfallrisiko eines Kreditnehmers auswirken, indem die für das Ausfallrisiko des Kreditengagements wesentlichen Klimarisikofaktoren und die Qualität des kreditnehmereigenen Managements von Klimarisiken identifiziert werden.
  • Anpassung der Risikoklassifizierungsverfahren zur Identifizierung von Kreditnehmern, die direkt oder indirekt erhöhten Klimarisiken ausgesetzt sind.
  • Berücksichtigung, wie sich Klimarisiken auf die Bewertung von Sicherheiten auswirken können,
  • Überwachung und Steuerung von sektoralen und geografischen Konzentrationsfaktoren, wie z. B. die Verteilung von Energieeffizienzlabeln auf Wohn- und Gewerbeimmobilienportfolios.
  • Rahmenbedingungen für die Kreditbepreisung sollten die gewählte Klimarisikostrategie und die durch Klimarisiken verursachten Differenzkosten unterstützen.
  • Berücksichtigung der Frage, wie Klimarisikoereignisse negative Auswirkungen auf die Geschäftskontinuität haben oder Reputations- oder Haftungsrisiken erhöhen könnten.
  • Laufende Überwachung der Auswirkungen von Klimarisikofaktoren auf ihre aktuellen Marktrisikopositionen und zukünftigen Investitionen und Entwicklung von Stresstests, die Klimarisiken einbeziehen.
  • Einbeziehung der wesentlichen Klimarisiken in die Stresstests des Instituts sowie in die Basis- und Negativszenarien, einschließlich:
  • der Auswirkungen des physischen Risikos und des Übergangsrisikos;
  • wie sich das Klimarisiko entwickeln könnte;
  • wie sich die Klimarisiken kurz-, mittel- und langfristig materialisieren könnten.

Der Leitfaden und die im Leitfaden dargelegten aufsichtlichen Erwartungen sind zwar für die Institute nicht bindend, dienen aber als Grundlage für den aufsichtlichen Dialog; von bedeutenden Instituten wird erwartet, dass sie den Leitfaden unter Berücksichtigung der Wesentlichkeit ihrer Exposition gegenüber solchen Risiken verwenden. Weniger bedeutenden Instituten wird empfohlen, den Leitfaden in einer Weise zu berücksichtigen, die der Art, dem Umfang und der Komplexität ihrer Aktivitäten angemessen ist. Der Leitfaden gilt ab dem Datum seiner Veröffentlichung im November 2020.

Der Leitfaden betont, dass die Institute einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen müssen, der die gesamte Governance-Struktur, die Geschäftsstrategie, das Risikomanagement-Rahmenwerk, die Risikobereitschaft, die interne Revision, die Rechenschaftspflicht und eine solide Berichterstattung an die Geschäftsleitung/den Vorstand umfasst. Es zeigt das Ausmaß der Anpassungen, die von den Instituten erforderlich sind, von denen einige bereits im Gange sind, die aber eindeutig erhebliche interne Veränderungen erfordern, um die Klimarisiken, die ihre Aktivitäten finanzieren, zu identifizieren, zu managen und abzumildern und um die Institute in die Lage zu versetzen, die relevanten Nachhaltigkeitsangaben zu liefern und letztendlich ihre grüne und nachhaltige Glaubwürdigkeit zu demonstrieren. Am wichtigsten ist, dass sie die erforderlichen Veränderungen in der gesamten Breite der Institute aufzeigt und dass es nicht nur um die Finanzierung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien geht, sondern ein Überdenken des gesamten Kreditportfolios und des Prozesses der Kreditvergabe erforderlich sein wird.

Die Puzzleteile des EU-Klimaaktionsplans fügen sich schnell zusammen, da das Klimarisiko jede Maßnahme der EU-Institutionen und Mitgliedsstaaten beeinflusst. Das von der Kommission vorgeschlagene europäische Klimagesetz wird das Ziel des EU Green Deals, bis 2050 keine Treibhausgasemissionen zu verursachen, als rechtlich bindendes Ziel festlegen.

Wie bereits erwähnt, ist der Leitfaden ab dem Datum seiner Veröffentlichung gültig. Die nächsten Termine, auf die sich die Banken konzentrieren müssen, sind:

  • Selbsteinschätzung zu den Erwartungen der EZB Anfang 2021, gefolgt von der Entwicklung von Aktionsplänen
  • Vollständige Überprüfung der Bankpraktiken durch die EZB im Jahr 2022.
  • 2022 werden die aufsichtlichen Stresstests den Schwerpunkt auf Klimarisiken legen.

Sie finden den EZB-Leitfaden unter nachfolgendem Link:

Guide on climate-related and environmental risks

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